Arnoweg Tag 29: St. Pöltner Hütte – Karl Fürsthütte

Auch am letzten Wochenende – das Mostviertel und der Erlauftaler Rundwanderweg standen da auf dem Programm – machte mir das Wetter wieder einmal einen Strich durch die Rechnung, nichts wurde es. An diesem Wochenende war Brüderprogramm angesagt und das weitere Zusammenstückeln des Arnowegs. Von der St. Pöltner Hütte sollte es in zwei Tagen, 3 Tagen inklusive Zustieg, zur Rudolfshütte gehen. Damit war für den 3. Tag und die Querung des Prägrat- und des Sonnblickkees wieder einmal das Gletscherzeug dabei und die Rücksäcke entsprechend schwer. Von einer weiteren Wochenendverlängerung und einer Verlängerung der Tour bis nach Kaprun konnte ich meinen Bruder leider nicht überzeugen. Auch für dieses Wochenende versprach man uns wettermäßig nichts Gutes, zumindest am Anreise- und Zustiegstag sollte es regnen, erst am 2. Tag sich das Wetter langsam bessern.

Und es wird der letzte Wanderbericht für lange Zeit sein – denn der dritte Tag endete nicht gut. Zunächst stiegen wir da entgegen unserem ursprünglichen Plan nur noch ins Tal ab und dabei verletzte ich mich dann beim harmlosen Dahinwandern gröber. Mehr dazu unten.

Die Anfahrt zum Zustieg zur St. Pöltner Hütte war mal wieder so eine öffimäßige kleine Katastrophe: Die schnellste Zufahrt auf die Südseite, also zum Matreier Tauernhaus braucht 7 1/2 Stunden mit 5mal Umsteigen und 4 verschiedenen Bussen. Zur Nordseite gehts bis Mittersill zwar ganz praktisch, allerdings gibts hinein ins Felbertal zum Hintersee keine Busverbindung mehr (ja, der Schnellbus zwischen Kitzbühel und Lienz fährt da, aber vorbei), die noch in der Arnoweg-Wegbeschreibung genannte Station Schößwendklamm – die liegt unterhalb des Hintersees – die wird nicht mehr angefahren bzw. gibt es sie nicht mehr. Wir entschieden uns schließlich für die Taxivariante, also mit dem Zug über Salzburg und Zell am See nach Mittersill, anschließend widerwillig und etwas sehr wenig günstig mit dem Taxi zum Hintersee.

Dem Taxi entstiegen wir bereits bei leichtem Regen. Da uns für heute nichts anderes mehr erwarten sollte, warteten wir nur kurz zu, bevor wir uns an den Zustieg zur St. Pöltner Hütte machten. Den wollten wir über den Trassensteig angehen, nicht über das Trudental – wohl ein wenig herausfordernder, aber zeitlich kürzer. Zu entscheiden hat man sich hier jedenfalls gleich, die beiden Anstiegsrouten gehen gleich beim Parkplatz unter dem Hintersee getrennte Wege. Um 1/2 2 gings also los und entlang des Hintersees und Richtung Talschluss des Tals des Felber Baches.

Vorbei am Hintersee.

Vorbei an der bewirtschafteten Hinterseealm kamen wir ans Ende des Sees, ein paar Meter gings noch flach dahin, dann begann unser Weg in Richtung des Talschlusses schön langsam zu steigen.

Die Bevölkerung der Hinterseealm.

Glück hatten wir insoweit, als sich der Regen für den Moment abgemeldet hatte, wenigstens von oben kam für eine Zeit kein Wassernachschub mehr.

Hinter der Alm gehts noch ein Stück flach dahin.

Wir querten dann den Felber Bach über ein Holzbrückerl und gleich dahinter begann der Weg am linken Hang zu steigen und es wurde steil. Einige schmale Serpentinen über einen steilen Grashang brachten uns hinauf in den Bereich des Geißsteins.

Am Beginn des Trassensteigs.
Zum Hintersee zurückgeschaut.
Blick in den Talschluss.

Damit war die erste Aufwärtsstufe geschafft, ein paar flache Schritte gönnte uns der Trassensteig, bevor er uns zeigte, was er konnte – vor allem bei den nassen Bedingungen, wie wir sie heute hatten.

Die erste Stufe gemeistert, gehts der zweiten entgegen – und die bringt einiges an Herausforderung.

Denn der Weg über die nächste Stufe führt ziemlich abschüssig und auch teilweise ausgesetzt dahin, mit fast durchgehenden Seilversicherungen und auch zwei zwischendrinnen montierten Leitern.

Mitten im Trassensteig – doch etwas schwieriger als gedacht.

Was bei den glitschigen Verhältnissen gröbere Konzentration erforderte. War wieder mal so ein Stück Weg, das ich alleine an so einem Tag wohl eher ausgelassen bzw. wo ich weit unten den Umkehrgang eingelegt hätte – aber ich hatte ja meinen Bruder mit.

Trassensteig. Mit Tiefblick zum Hintersee.

Gegen Ende der Schwierigkeiten wurde das Steigen weniger, allerdings gings nochmal über einen schmalen Steig über einen steil abfallenden nassen Wiesenhang, was auch nicht das größte Vertrauen erweckte.

Schon am Ende des Trassensteigs. Das Gröbste an Herausforderung liegt hinter uns.

Als wir dann den Bereich der Hochspannungsleitung erreicht hatten, wars aber mit den Schwierigkeiten vorbei, allerdings hatte es wieder zu regnen begonnen und das hörte bis zum Tagesschluss nicht mehr auf.

Wir erreichen den Treffpunkt mit dem von links kommenden Weg übers Trudental.

Weiter leicht steigend kamen wir über steiniger werdendes grünes Gelände an den Treffpunkt mit dem Weg, der aus dem Trudental heraufführt. Alleine wäre ich wohl über diesen dann heraufgelangt. Zwischendurch setzte es mich einmal ziemlich unvermittelt auf den Hintern – kurze Schrecksekunde ob meiner Knie, aber passte alles (das Schlimme kam ja erst zwei Tage später).

An einigen kleinen Seen und Lacken gehts vorbei, auch an der Abzweigung zum Plattachsee. Und das bei jetzt durchgehend kaum Sicht.

Anschließend gings bei immer schlechter werdenden Sichtverhältnissen an einigen kleinen Seen und Lacken vorbei. Auch einige übriggebliebene Schneefelder hatte man uns zu bieten – mit dermaßen viel Schnee hatten wir Mitte Juli nicht mehr gerechnet.

Kurz vor dem Felbertauern. Regen, Nebel und bald nasstaube Finger.

Schön langsam protestierten auch meine Finger gegen die heutigen Verhältnisse bzw. dagegen, dass ich sie nicht weiter unten in Handschuhe gepackt hatte. Jetzt aber noch im Rucksack herumkramen, wollte ich angesichts des Regens und konnte ich angesichts der schon klammen Finger nicht wirklich.

Es kann nicht mehr weit sein.

Schließlich gings noch eine kurze steinige Stufe aufwärts, ein Schneefeld wartete noch dahinter, und dann tauchte endlich das Tauernkreuz auf. Da sollte sich ja gleich die Hütte befinden.

Die St. Pöltner Hütte – endlich.

Brauchte aber noch ein paar Schritte, bis der Nebel auch die St. Pöltner Hütte freigab. Um 1/2 6 kehrten wir in die Hütte ein und rechneten eigentlich damit, bei den heutigen widrigen Verhältnissen ziemlich alleine da zu sein. Doch die war bummvoll. Gut, dass wir covidbedingt schon vor einiger Zeit reserviert hatten, so war uns unser 2er-Zimmer sicher. Über den Abend stürmte und schüttete es auch weiterhin. Hoffentlich wird es morgen besser, wobei unser Weg zur Karl Fürsthütte kein allzu weiter sein sollte, ein bisschen Spielraum mit dem Wegkommen sollten wir da haben.

Tag 29 (19.07.2020): St. Pöltner Hütte – Karl Fürsthütte

Mit der St. Pöltner Hütte waren wir damit auch wieder auf der Route des Arnowegs. Was für die nächsten beiden Tage geplant war, sollte mich also wieder auf meiner Salzburg-Runde weiterbringen. Besser war das Wetter über Nacht nicht geworden, in der Nacht dürfte es auch Schnee gegeben haben, in der Früh regnete es noch immer leicht und Sicht gabs nach wie vor keine.

Später Abgang von der St. Pöltner Hütte.

So ließen wir uns sehr viel Zeit – unsere heutige Strecke zur Karl Fürsthütte sollte bloß so an die 6 Stunden in Anspruch nehmen, wir sollten also Reserven haben. Ganz so wars dann schlußendlich nicht. Die meisten der Leute, die auch in der Hütte über Nacht geblieben waren, waren trotzdem schon bald in alle Richtungen unterwegs – Matreier Tauernhaus, Neue Prager Hütte, Abstieg zum Hintersee. Bei uns wurde es nach dem Packen und nach nochmals gemütlichem Herumlungern 1/2 10, bis wir uns bei nur noch ganz leichtem Nieseln auch auf den Weg in die noch immer unsichtbare Umgebung machten. Sollte aber insoweit kein Problem sein, als wir den Weg in anderer Richtung bis zum Grünen See erst vor wenigen Jahren auf dem 02er gegangen waren.

Erster Aufstieg zum Weinbichl.

Ein erster Anstieg führte uns kurz und knackig hinauf auf den Weinbichl und über dessen Gipfelfläche drüber. Es folgte der Abstieg – teilweise seilversichert – hinunter in den Alten Tauern, wo zunächst ein Weg zum Hörndl abzweigt und gleich danach einer auf den Hochgasser.

Abstieg vom Weinbichl Richtung Alter Tauern. Ein paar Seilversicherungen im Weg.
An der Abzweigung zum Hörndl, knapp vor dem Alten Tauern.

Gipfel kam bei den heutigen Bedingungen eh keiner in Betracht, auch nicht jener des Messeling, dessen Besteigung wir von der Messelingscharte aus unter Umständen möglicherweise vielleicht oder auch nicht in Betracht gezogen hatten.

Am Weg vom Alten Tauern in die Messelingscharte. Erstmals ein bisschen mehr als wenige Meter Sicht.

Die Messelingscharte erreichten wir nach einer ganz angenehmen Hangwanderung unterhalb des Hochgasser. Da lag teilweise frischer Schnee aus der heutigen Nacht im Weg, teilweise waren da noch Altschneefelder, die zu queren waren. Und erstmals gabs auch ein paar Meter mehr Sicht als seit gestern am Nachmittag.

In der Messelingscharte.

Die Messelingscharte erreichten wir nach etwa einer Stunde. Die ersten Leute waren uns da schon entgegengekommen, unter anderem ein Bursch mit kurzer Hose – ein wenig sehr gewagt und ihm war offensichtlich recht kalt.

Abstieg zuerst zum Grauen See.

Von der Messelingscharte gings nun abwärts, eine 3 Seen-Wanderung bis zum Grünen See ließ uns etwa 300 hm abwärts kommen. Grauer See, Schwarzer See und schließlich landeten wir beim Grünen See.

Vom Grauen See gehts abwärts zum Schwarzen See.

Diese 300 hm führten uns auch vom Fels und Schotter, Schnee und Nebel in grünere Regionen und in bessere Sichtverhältnisse, der Nebel lichtete sich endgültig.

Vorbei am Schwarzen See.
Es geht zur nächsten Stufe hinunter zum Grünen See. Vor uns der Bereich um den Wildenkogel auf der anderen Talseite.

Ausblicke auf die andere Talseite mit dem Wildenkogel waren möglich, als wir dann schon beim Grünsee und der uns ja bekannten Grünseehütte waren, auch Richtung Großvenediger – dessen Gipfel war allerdings von den Wolken noch nicht freigegeben worden.

Zur Grünseehütte. Mit einem Rüberblick zum Raneburgkogel.

Nach 2 Stunden machten wir beim See unsere heutige erste Rast, waren nach einer 1/4 Stunde wieder dahin – ohne Kälte und Feuchtigkeit wärs angenehmer gewesen.

Der Grüne See.

Vom vielbegangenen Aufstiegsweg zur St. Pöltnerhütte zweigten wir beim Grünen See nun ab und machten uns weiter auf der Route des offensichtlich wenig begangenen St. Pöltner Ostwegs/Venedigerhöhenwegs (auch des 02ers) auf den Weg in Richtung Dabersee.

Es geht weiter vom Grünen See. Im Hintergrund wolkenverhangen der Venediger.

Wieder eine Hangwanderung, allerdings hatte die zwischendrinnen durchaus ein bisschen was an Steigung zu bieten, und es ging rund um den vom Riegelkopf herunterziehenden Grat. Auch ein paar wenige Sonnenstrahlen erwischten uns da, wurden aber trotz dieser Versprechung später nicht mehr viel mehr. Nach etwas mehr als einer Stunde vom Grünsee wurde auch die Essensbox ausgepackt und die Pause vor dem Dabersee fiel jausnend etwas länger aus.

Richtung Dabersee, rechts da liegt schon die Haupmerscharte.

Schon recht bald nach unserer Pause gelangten wir an die Abzweigung zur Donabaumscharte, das ist die Route des St. Pöltner Ostwegs, jenes Wegs, welchen der Zentralalpenweg zur Karl Fürsthütte nimmt. Der Arnoweg und der Venediger Höhenweg führen wohl weit weniger anspruchsvoll über die Wilde Manderscharte dorthin – anspruchsvoll genug wurde es aber heute schon noch.

An der Abzweigung zur Donabaumscharte, knapp unter dem Dabersee.

Die Donabaumscharte selbst konnten wir im über dem Kamm liegenden Nebel nicht ausmachen. Hinter der Abzweigung folgten ein paar Schritte abwärts zum Abfluß des Dabersees.

Dabersee mit Riegelkopfscharte. Schon im Aufstieg zur Haupmerscharte.

Diesen gequert, lag zunächst der Anstieg zur Haupmerscharte vor uns. Einige Schneefelder galt es da wieder zu queren und meine eh schon und noch von gestern nassen Schuhe wurden immer weiter mit Feuchtigkeit gefüllt.

In die Haupmerscharte.

Schließlich führte uns eine Rampe und letzte Aufwärtsschritte in die Haupmerscharte. Die hatten wir um 1/4 3 erreicht, viel später als gedacht. Um die Zeit wollten wir eigentlich schon in der Wilden Manderscharte sein.

In der Scharte sind wir gleich. Rechts der Zipf ist der Haupmerkopf.
In der Haupmerscharte mit dem Glockenkogel.

Dorthin gings nun von der zwischen Haupmerkopf und Glockenkogel liegenden Haupmerscharte und der Karte entsprechend eh nur wieder den Hang unterhalb des Glockenkogels querend. Aber das wurde auch anspruchsvoller und anstrengender als gedacht, und damit wieder länger als gedacht.

Weiter von der Haupmerscharte. Blickrichtung retour zum Haupmerkopf.
Am (ziemlich mühsamen) Weg zur Wilden Mander Scharte. Rechts, das ist der Nussingkogel.

Es war mühsame Blockhüpferei, erschwert durch Altschnee und den feuchtglitschigen Neuschnee von heute Nacht. Recht vorsichtig hangelten wir uns da am Hang entlang – auch ein recht abschüssiges Schneefeld ließ uns nicht schneller vorankommen.

Zwischen Haupmerscharte und Wilder Mander Scharte gibts ein paar Schneefelder zu queren.

Den letzten Teil des Hangs vor der Wilden Manderscharte empfand ich dann nochmals als ziemlich herausfordernd, bevor es in die letzte Steigkehre und steigend hinauf in die Scharte ging. Erdig-glitschig-abschüssig und es war eher ein Dahinzappeln mit kleinen Schritten, bis auch dieser Teil geschafft war.

Letzte Steiger in die nächste Scharte.

Aber insofern Entwarnung: bei trockenen und schneefreien Verhältnissen sollte der Weg gar kein Problem sein. Eine Stunde brauchten wir von Scharte zu Scharte und bewunderten, unter Anführungsstrichen, von der Wilden Manderscharte unseren Weiterweg und vor allem das, was uns morgen am Weg zur Rudolfshütte bevorstehen sollte: viel Schnee. Sehr bald kam von meinem Bruder ein „Das werden wir morgen bleiben lassen.“ und Widerrede gab es da keine von mir. Das Gletscherzeug hatten wir damit umsonst mitgetragen, aber das kam in den letzten Jahren ja öfter vor – denke, sogar öfter, als wir überhaupt über einen Gletscher gewandert sind.

Richtung Karl Fürst-Hütte, rechts hinten die Wilde Mander Scharte.

Zugezogen hatte es mittlerweile auch wieder komplett, mit einem verdienten Abend in der Abendsonne vor der Karl Fürsthütte sitzend würde es wohl nichts werden.

Richtung Karl Fürsthütte. Gar viel Schnee liegt da vor uns am Übergang zur Rudolfshütte.

Der Weiterweg von der Wilden Manderscharte ähnelte dann dem zuvorigen Weg zur Scharte – mit Schnee bedecktes Blockwerk, der Weg war aber hier besser ausgelegt und auch wegen der durchgehend fehlenden Abschüssigkeit besser als zuvor.

Es wird wieder grüner beim Abstieg zum Schandlasee.

Langsam kamen wir abwärts und wieder ins Grün, bevor es in ein paar steilen Serpentinen zum Abfluß des Schandlasees ging und uns nur noch der letzte Anstieg zur Hütte bevorstand. Die Hütte selbst hatten wir auf diesem Weg unterhalb des Kamms zwischen Glockenkogel und Sillingkopf schon erkennen können, die lag inmitten von Schnee.

Vorausblick zur Hütte, links der Große Landeggkogel.

Den Abfluß des Schandlasees überquert, machten wir um schon 1/4 6 nochmals Rast.

Wasserfassen am Abfluß des Schandlasees.

Das erste Stück des Wegs zur Hütte bis zur Abzweigung zur Landeggalm – da wird es also für uns morgen abwärts gehen – gehts noch sehr gemäßigt bergan. Dahinter beginnt der Weg wieder mehr zu steigen.

Das Stückerl auf die Kuppe in der Mitte gehts noch aufwärts.

Gut getroffen füllte ich an einem der letzten Bacherln, die wir querten, noch meinen Wasservorrat auf – auch zum Kochen würden wir bei der Hütte etwas davon brauchen.

Richtung Fürst-Hütte. Da stecken wir bald wieder im Schnee.

Recht gemächlich stiegen wir der Hütte entgegen, schon immer mehr wieder im Schnee und zuletzt, nach einer direkt in die Granatscharte führenden Abzweigung, durchgehend über bis dann schon knöcheltiefen Schnee bis zur Hütte.

Und dann sind wir bald da. Viel später, als wir gedacht hatten.

Meine Füße hatten in den schon pitschnassen Schuhen überhaupt keine Freude damit, bzw. machten sie sich gar nicht mehr bemerkbar, die waren schon komplett taub.

Das letzte Schneefeld zur Hütte. Viel spüre ich in meinen Füßen in den vollkommen nassen Schuhen nicht mehr.

Auch keine Freude hatten wir damit, dass wir beim Anstieg zur Hütte eine ganze Partie Leute von der Amertaler Scharte daherkommen sahen – wir würden nicht, so wie wir uns das vorgestellt hatten, alleine in der Selbstversorgerhütte den Abend verbringen und übernachten. Die 5, auch ein junger 12-jähriger Bursch war dabei, kamen ebenso wie wir um ca. 1/2 7 an, stellten sich aber als sehr angenehme (aus Sachsen stammende) Zeitgenossen heraus. Wir arrangierten uns gut, und war das abwechselnde Kochen und das Herrichten des Lagers kein Problem. Was bei mir noch ein kleines Problem wurde: meine Füße waren auch 1 1/2 Stunden nach Ankunft trotz trockener Socken, trockener Zweitschuhe und Trockenrubbeln noch kein bisschen aufgetaut, nach wie vor gefühllos. So steckte ich sie zuerst unter die Decke, dann wurde mir mit einer mit heißem Wasser gefüllten Thermosflasche geholfen und schön langsam rührte sich der rechte Fuß, später auch der linke, wieder. Zum Glück, hatte da schon echt Bedenken (leicht etwas abbekommen haben dürfte zumindest der linke Fuß schon – der war noch ein paar Tage danach etwas angeschwollen, komischfärbig und fühlte sich merkwürdig an). Für morgen haben wir also nur noch den Abstieg ins Tauerntal vor, der Weg hinüber zur Rudolfshütte, den lassen wir bei den Verhältnissen lieber bleiben, auch Spuren da hinüber sind von der Hütte weg keine auszumachen.

(Wegstrecke: 11 km)

Also stand heute am dritten Tag keine Gletscherüberquerung und kein Weg zur Rudolfshütte mehr an, sondern nur noch der Abstieg durchs Landeggtal ins Tauerntal. Obwohl wir die Busverkehrszeiten unten nicht genau kannten, machten wir uns keine Sorgen, heute eventuell nichts mehr zu erwischen – wir wussten, dass bis irgendwann nachmittags Busse hinaus Richtung Lienz fahren und zu lange sollte der Abstieg nicht dauern. Aber für mich endete der Tag nicht gut, ich brauchte schließlich keinen Bus, ich wurde geflogen.

Morgendlicher Blick zur Granatspitze.

So ließen wir uns in der Früh mächtig Zeit, auch dadurch bedingt, dass wir erst nach der anderen Gruppe weggehen wollten. Die hatten gestern zwar eigentlich erwähnt, dass sie schon sehr zeitig aufbrechen würden, aber sie wollten dann doch auch nur abwärts und nicht über die Amertaler Scharte zum Nordportal des Felbertauerntunnels retour, wo sie gestern hergekommen waren, und so gingen sie den Tag auch sehr langsam an.

Blick von der Karl Fürsthütte ins Landeggtal.

Meine Schuhe waren noch immer pitschnass, die Versuche, sie noch durch die bald auftauchende Sonne ein wenig trockener werden zu lassen, waren eher sinnlos.

Gut macht er das.

Ansonsten war das Wetter heute perfekt. Weniger Schnee und wir hätten ein Traumtourentag über die Granatscharte haben können. So genossen wir in der Früh lange die herrliche Umgebung und warteten dann aber doch schon mit ein wenig Ungeduld darauf, dass die andere Gruppe losgehen würde. Nachdem sie knapp vor 1/2 10 doch ihren Weg zogen, machten wir uns fertig, brachten die Hütte noch auf letzten Vordermann und dann war auch für uns um knapp vor 10 Zeit zum Abwandern.

Erst geht die die andere Gruppe los.

Bis knapp über den Schandlasee führte unser Abstiegsweg gleich mit unserem gestrigen Aufstiegsweg. Also zuerst nochmals im nassen Schnee abwärts, dann erreichten wir aber bald schneelosere Gegenden.

Dann verabschieden uns auch wir von der Hütte. Im Hintergrund der Große Landeggkogel.
Karl Fürsthütte.

Ziemlich warm wars, unserer Handschuhe und Jacken konnten wir uns so bald entledigen.

Wieder abwärts Richtung Schandlasee. Im Hintergrund recht der Nussing, links davon Kleiner und Großer Muntanitz.

Wir erreichten dann die Wegteilung hinunter ins Landeggtal. Bald dahinter brachte uns eine Steilstufe mit zum Teil in den Hang gebauten Stufen und vorbei an uns aufmerksam beobachtenden Schafen hinunter an den Talschluss des Landeggtals.

Runter ins Landeggtal vor der steilen Stufe. Rechts kamen wir gestern von der Wilden Manderscharte daher.
‚Die Stiege‘ hinab ins Landeggtal.

Und dann sollte es gemütlich hinaus entlang des Landeggbaches bis zum Ende des ins Tal führenden Fahrwegs und über diesen vorbei an der Landeggalm hinaus ins Tauerntal gehen. Doch so weit kamen wir bzw. eigentlich nur ich nicht mehr.

Gemütlich über Almgelände geht es das Landeggtal hinaus.

Denn bald lag ich hilflos da. Gerade war ich zwischen zwei Felsbrocken durchgewandert, als beim Aufsetzen eines Schrittes mit dem rechten Bein ein Schmerz oberhalb des Knies einfuhr – und schon lag ich da.

In ca. 5 Schritten wars soweit. Und keine Chance, auch nur einen Schritt noch zu machen.

Ich konnte mein Bein nicht mehr ausstrecken und ich konnte es nicht mehr anheben. Ganz schlecht. Zum Glück hatte ich aber meinen Bruder dabei. Eigentlich war da schon klar, dass ich keinen einzigen weiteren Schritt mehr machen werde können, kurz warteten wir aber zu, Sinn hatte aber nur noch das Verständigen der Bergrettung. Verbindung hatten wir keine, also ging mein Bruder los und ich saß da und wartete. Ruhig dasitzend wars schon auszuhalten, aber die kurzen Versuche, das rechte Bein mehr als mit der Hand herumschiebend zu bewegen, waren ziemlich schmerzhaft. Mein Bruder hatte erst etwa eine 3/4 Stunde, nachdem er von mir weggegangen war Empfang und konnte die Bergrettung verständigen. Ja, und dann tauchte er auf – der Hubschrauber. Kurz zuvor war auch ein Wanderspärchen vorbeigekommen, die weiter unten schon mit meinem Bruder geplaudert hatten. Und die halfen mir dann auch noch sehr weiter: zum einen flog der Hubschrauber zweimal über mich drüber, erst als der Bursch mit seinem Pullover winkte, erkannte man uns und der Hubschrauber landete knapp oberhalb von mir. Was zweitens zu dem Problem führte, dass ich da noch hinmusste. Das Aufstehen unter Mithilfe von 2 Leuten war wieder äußerst unangenehm und schmerzhaft, dann hüpfte ich auf dem linken Bein, die Arme links um den Flugretter und rechts um den Burschen des Pärchen gelegt hinauf zum Hubschrauber. Da wurde ich auf eine Liege ge- und verpackt und es ging ab ins Krankenhaus Lienz.

Die Landeggalm. Da kam nur noch mein Bruder vorbei.

Damit endete die diesmalige Tour so:

Eine Zwischenlandung machten wir noch bei der Landeggalm, dort wurde der Rucksack meines Bruders deponiert, den er bei mir zurückgelassen hatte. Im Spital gings ans Röntgen und der darauf folgenden Diagnose: Riss der rechten Quadrizepssehne, baldige Operation notwendig. Vor die Wahl gestellt, ob gleich morgen hier in Lienz operiert zu werden oder heimzufahren, und mich in Wien darum zu kümmern, entschied ich mich für zweiteres. Ein Spaltgips wurde mir verpasst, mit dem Taxi gings zum Bahnhof und da war gerade auch mein Bruder mit dem Bus hergekommen. Der Direktzug nach Wien ging schon bald später um knapp vor 4, wir waren um 1/2 10 wieder zurück in Wien, wo uns unser Papa abholte. Am Folgetag, dem Dienstag, war ich dann vormittags im UKH Meidling und werde am Donnerstag zwecks Operation am wahrscheinlich Freitag stationär aufgenommen.

War ein kurzer Sommer, nach einem covid- und einem ersten Sehnenriss im Arm bedingten kurzen Frühjahr und ich schätze, dass, wenn alles gut geht, frühestens im nächsten Frühjahr wieder Wanderbeiträge von mir zu lesen sein werden – vielleicht fällt mir ja ein wenig Ersatzprogramm ein, das ich für mich festhalten will. Ein bisschen was zum weiteren Verlauf der Verletzung und der hoffentlich gut verlaufenden Heilung kommt sicher.

Ein paar Mal schon hab ich hier Lobesworte an meinen Bruder verloren, diesmal muss es wieder sein: Danke für deine Hilfe und es kommt ein ziemliches großes Plus auf die Liste ;-).

Zum Schluss ein dringender Hinweis an alle, die in den Bergen unterwegs sind: Versichert sein, mehr als EUR 5.900,00 für die Hubschrauberbergung hat man selten gerade so auf der Seite liegen.

10 Kommentare zu „Arnoweg Tag 29: St. Pöltner Hütte – Karl Fürsthütte“

  1. Autsch, das tut schon beim Lesen weh. Gut, dass du deinen großen kleinen Bruder mithattest.

    Wünsche dir, dass die Heilung so verläuft und du bald wieder die ersten kleinen Wanderungen ins Auge fassen kannst. Ich sehe ja grad an anderer Stelle, wie schwer es jemandem, der gerne, oft und viel wandert, fallen kann, wenn man plötzlich nimmer g’scheit gehen kann… (auch wenn es sich um ein vergleichsweise harmloses Wehwehchen handelt)

    1. Insofern gut, dass es da passiert ist – an anderer Stelle oder bei einer meiner vielen Solowanderungen wärs noch unangenehmer geworden. Soweit gehts ganz gut, die ersten kleinen Ausflüge hab ich schon wieder hinter mir.

      Schönen Gruß an deine liebste Mitwanderin, hoffe bei ihr gehts auch bald besser.

  2. Solche Touren bleiben lange in Erinnerung und vor allem: das Positive überwiegt, denn letztlich ist (fast) alles gut gegangen (die gleiche Einlage am Tag davor, wäre ungleich schwieriger zu bewältigen gewesen).
    Jedenfalls sollten wir nochmals – mit Gletscherzeug – dorthin – hatte ich doch schon etliche Male, sommers und winters, auch Sonnblick und Granatspitze am Plan und bislang hat es aus den unterschiedlichsten Gründen nie geklappt. Und dann geht’s auch (unter dem abstoßenden Kabelsalat beim Kitzsteinhorn) weiter bis Kaprun …

    Auf ein ertragreiches 2021!

    1. Mir wird wohl das ganze Jahr 2020 in Erinnerung bleiben mit zwei Sehnenrissen innerhalb kürzester Zeit. Mehr brauche ich jetzt nicht mehr davon, genug ausprobiert. Ja, und zum Glück dürfte ich wieder ganz gut hingebracht worden sein, ein wenig Geduld und ein ‚Schaumamal‘ brauchts aber noch.
      Das mit Kaprun klingt sehr gut, das wird vorgemerkt.
      Wenn im nächsten Jahr tatsächlich alles wieder gut ist, brauch ich eh zumindest das Doppelte an Wochenenden – soviel wie es aus den geplanten und nicht realisierten Touren von heuer übriggeblieben ist …

  3. Ach herrje! Habs erst jetzt mitgekriegt! Weiterhin gute Besserung und vollständige Wiederherstellung des Knies!

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