Zentralalpenweg 02 Tage 65 bis 68: Tilisunahütte – Feldkirch

Mitte Juli ists, damit heißts: 02er – da bin ich wieder. Und vielleicht und hoffentlich oder leider für die letzten 4 Tage, zumindest auf der Hauptroute. Bisschen zweifelnd bin ich schon noch, ob es auch wirklich mit den letzten 4 Tagen von der Tilisunahütte bis nach Feldkirch klappt – das Wetter für die ersten Tage war rechtzeitig für diese Tour schlechter prognostiziert geworden – schon alleine der Zustiegstag zur Tilisunahütte könnte spannend werden, wenn auch die Prognose seit gestern doch etwas weniger frustrierend ausfällt. Gert ist wieder mit dabei nach seinem letztherbstlichen Aussetzer. Er fuhr auch schon am Freitag Richtung Vorarlberg, um Samstag gemütlich hinauf auf die Tilisunahütte gehen zu können, ich würde wohl etwas mehr Eile haben (müssen).

Für mich gings am Samstag mit dem 1/2 7 Uhr-Zug aus Wien weg, ich war nach langen Zugstunden mit Umsteigen in Bludenz um knapp vor 13 Uhr in Tschagguns.

Raus aus dem Zug in Tschagguns.

Zugnachbarn bis Bludenz waren übrigens ein paar Leute, die die Reise nach Feldkirch führte, und die von dort in anderer Richtung bis Ischgl gehen wollen. Für den Aufstieg zur Tilisunahütte standen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: entweder noch mit dem Bus zum Kraftwerk Lantschau und von da über den Tobelsee oder über den letztjährigen Abstiegsweg über die Gampadelsalpe zur Hütte. Ersteres würde mir 300 Höhenmeter ersparen, ich nahm dann aber zweiteres – wenns Wetter tatsächlich schlecht wird, bin ich doch lieber auf bekannten Strecken unterwegs.

Rückblick auf Schruns und Tschagguns.

Den Weg hinaus aus Tschagguns fand ich auf Anhieb, und der erste Teil des Anstiegs führte mich hinauf auf den Ziegersberg, gut gelb-weiß markiert. Ziemlich steil ist dieser Anstieg auch, aber es ging sehr zügig dahin. Teilweise asphaltiert, teilweise über Kieswege, teilweise über Wiesen gings aufwärts, bis ich auf der in das Gampadelstal hineinführenden Straße landete.

Hinein ins Gampadelstal.
Mit einem letzten Blick in das Montafon.

Viel flacher wurde die Angelegenheit da und bald nachdem ich an den Häusern von Manuaf und der Abzweigung zur Jausenstation Bitschweil vorbeigewandert war, auch schottrig. Schließlich führten mich ein paar Kehren zur Gampadelsalm, die ich schon nach nur knapp über 1 1/2 Stunden erreichte.

Gampadelsalm mit der Tschaggunser Mittagsspitze dahinter (und tschuldige fürs angelaufene Objektiv.).

Damit war ich heute zu flott unterwegs, ich konnte den Rest viel gemütlicher angehen. Von der Alm gings über Wiesen zur nächsten Almhütte und hier zweigt der Weg zur Tilisunahütte aus dem Tal hinauf an den Hang.

Da vorne rechts gehts in den Graben des Walserbaches. Links ins Tal des Tilisunabaches. Der Berg hinten links ist das Tilisuna Seehorn. Rechts davon auf der Hochfläche über der Stufe liegen der Tilisunasee und die Hütte.

Und es wurde wieder steiler. Über Almflächen und letzte Waldstücke querend gings aufwärts zur Walseralm und hinein in den Graben des Walserbaches, der vom Schwarzhornsattel herunterzieht.

Rückblick über die Walseralm.

An der Querung des Baches Seite machte ich noch eine Rast, und ging an der dortigen Abzweigung über den Kessiweg weiter – andere Möglichkeit wäre der Weg über den Tilisunasee, der ist bloß mit einer um 1/4 Stunde längeren Wegzeit angeschrieben, also wollte ich den auch diesmal nicht. Noch gings ein Stück den Walserbach entlang und schließlich an der linken Seite hinaus aus dem Graben – nochmals steile Schritte.

Nochmals ein Blick in Richtung Montafon. Über die Tschaggunser Mittagspitze.

Das Gelände legt sich dann zurück, man erreicht eine Hochfläche und flacher geht es der Tilisunahütte entgegen. Von rechts kommt schon knapp vor der Hütte der Weg vom Tobelsee und dem Schwarzhornsattel daher.

Von rechts kommt der Weg vom Tobelsee daher. Im Hintergrund die Weißplatte.

Nach dem nächsten vom Schwarzhorn herunterziehenden Kamm kommt – heute unter heftigem Auspfeifen einer Menge an Murmeltieren – die Hütte in den Blick.

Diese Burschen und Mädels da.

Nicht mehr weit wars und um 20 nach 5 war ich nach mehr als 1500 hm bei der Tilisunahütte angelangt, wo mich Gert bereits auf der Terrasse erwartete. Als Schlafstatt bekamen wir dasselbe Zimmer, das ich auch letzten Herbst bezogen hatte. Das Wetter hatte heute gehalten, bloß vormittags solls geregnet haben – so war mir das recht.

Die Tilisunahütte. Zustieg geschafft. Und ab morgen kanns an die letzten Tage des 02ers gehen.

Tag 65 (14.07.2019): Tilisunahütte – Totalphütte

Gut sah das auch heute mit dem Wetter aus. Kühl ein bissl, aber blauer Himmel – der Tag konnte gut starten.

Nicht schlecht, der morgendliche Ausblick.
Auch über die Hüttenterasse. Richtung Tilisunasee (© gtwo).

Und er startete früher, als ich erwartet hatte. Meine sanften Hinweise am Vortag wurden erhört, und diesmal brodelte niemand in der Früh. 20 nach 7 waren wir außer Haus und am Anstieg zur Schwarzen Scharte – jenem Punkt, bis zu welchem ich im letzten Oktober noch gekommen war, bevor ich wegen eisiger Verhältnisse bzw. zumindest pickelhartem Schnee im Weg lieber umgedreht und hinunter nach Tschagguns abgestiegen bin. Das sah diesmal besser aus und ich war dann auch ganz sicher, im Vorjahr das Richtige getan zu haben. Also erstmals von der Tilisunahütte ein paar Schritte aufwärts durch einen Graben, dann gehts rechts an einen Hang, wo es leicht aufwärts in die Schwarze Scharte zwischen dem Schwarzhorn und dem zur Sulzfluh ziehenden Grat geht.

Perfekte Aussicht. Zur Tschaggunser Mittagspitze in Richtung Montafon (© gtwo).
Und zum Tilisunasee.

Da lag zwar noch eine Wächte, die war aber leicht zu umgehen, die konnte uns nicht beeindrucken.

Ein letzter Rückblick zur Tilisunahütte. Mit der Weißplatte im Hintergrund.
Zur Schwarzen Scharte. Rechts das Schwarzhorn.
Da liegt noch eine Wöchte in der Schwarzen Scharte (© gtwo).

Nach einer knappen halben Stunde waren wir in der Scharte und der Weiterweg sah besser aus als zuletzt.

In der Schwarzen Scharte. Ausblick zur Lindauer Hütte und zum Öfapass. Links die Drusenfluh.

Da lag gar kein Schnee mehr. Somit konnte diesmal der Abstieg zur Lindauer Hütte beginnen. Und der ging zunächst auf dem schmalen Steig dahin zum Einstieg in den Bilkengrat, mit ein paar Drahtseilversicherungen zwischendurch – nochmals: gut so, dass ich da letztes Jahr umgekehrt war und es auch nicht einmal probiert habe.

Hangwanderung auf einem etwas abschüssigen Steig zum Bilkengrat.

Die kurze schmalwegige Hangwanderung beendet, standen wir am Beginn des Bilkengrats, und der führte nun wirklich steil bergab.

Zurückgeschaut in die Schwarze Scharte (© gtwo).

Über viele Serpentinen gings den Grat entlang abwärts, wobei Grat ein wenig beeindruckender klingt, als es tatsächlich war. Der Bilkengrat ist einfach ein ein schmalerer Kamm der hinunter in den Talschluss des Gauertals führt.

Den Bilkengrat abwärts (© gtwo).

Zwischendurch kamen wir an zwei Leuten mit Hund vorbei, die hier wohl das einzige Plätzchen gefunden hatten, an dem man ein Zelt aufstellen konnte – die waren gerade am Zusammenpacken.

Steil abwärts gehts am Bilkengrat. Da unten steht das erwähnte Zelt.

Auch einige Leute, die von der Lindauer Hütte aufgebrochen waren, begegneten uns bereits und nach längerer steiler Abwärtswanderung und etwa 650 Meter Höhenverlust waren wir, zuletzt schon im Wald gehend, im Talschluss des Gauertals und querten den Talschluss unterhalb der Abbrüche, die bis hinauf zur Kleinen Sulzfluh führen.

Schon wieder weit herunten – etwa auf gleicher Höhe mit der Lindauer Hütte.
Nebenan die Drei Türme (© gtwo).

Zur Lindauer Hütte hatten wir nicht mehr weit, allerdings von dem Höhenverlust ein bisschen aufzuholen.

Entlang des Talschlusses des Gauertals, bevor es wieder einige Meter aufwärts zur Lindauer Hütte geht.

Ein angenehmer Weg durch den den Porzalengawald führte uns zur von Tschagguns heraufführenden Schotterstraße und gleich dahinter waren wir bei der Lindauer Hütte.

Zur Lindauer Hütte (© gtwo).

Da kehrten wir um 1/4 11 ein, vorerst alleine, kamen aber doch einige Leute dazu, bis wir nach 25 Minuten die gute Stube wieder verließen. Öfapass hieß unser nächstes Ziel, und der war nur über 550 Höhenmeter, diesmal aufwärts, zu erreichen.

Es geht weiter von der Lindauer Hütte. In der Mitte der Bilkengrat. Der Gipfel links ist das Schwarzhorn, rechts davon die Schwarze Scharte.

Gleich hinter der Lindauer Hütte durchquerten wir die Obere Sporaalpe und zogen über die Alm noch länger nur leicht steigend dem Öfapass entgegen.

Obere Sporaalpe (© gtwo).

Der bis dahin Fahrweg endet recht abrupt, er geht über in einen schmalen Steig und schon gut Höhe gewinnend gehts weiter.

Am Weg zum Öfapass (© gtwo).

Die 550 Höhenmeter waren nach 1 1/2 Stunden geschaft und nach einem letzten kleinen Schneefeld waren wir im Öfapass.

Aussicht vom Öfapass auf den Weiterweg zum Verajoch.
Und retour zur Lindauer Hütte, zum Schwarzhorn und zum Bilkengrat.

Ich nahm ein paar Kalorien zu mir, lange wurde die Rast aber nicht – ich hatte den Eindruck, Gert wollte gerade jetzt nicht kurz pausieren. Ein letzter Blick retour zur Lindauer Hütte, ein erster Blick nach vorne Richtung Schweizer Tor und ins nächste Joch, dem Verajoch. Da hin gings nun, zuerst angenehm abwärts bis auf Höhe des Schweizer Tors – ein schönes Bild mit seinen es abgrenzenden Felsabbrüchen zur Drusenfluh und zu den Kirchlispitzen und der dort liegenden Alten Zollhütte.

Bei der Alten Zollhütte im Schweizer Tor (© gtwo).
Schönes Bild: die Zollhütte im Schweizer Tor im Rückblick zum Öfapass.

Den Wiederaufstieg zum Verajoch nahmen wir gleich in Angriff, der führt am rechten Hang und kontinuierlich aufwärts ins Joch.

Richtung Verajoch.

Wieder ein letztes Schneefeld und um 10 nach 1 hatten wir Joch 3 von 3 für heute hinter uns gebracht.

Im Verajoch, mit Rückblick auf das Schweizer Tor und zum Öfapass (© gtwo).
Wegtafeln im Verajoch (© gtwo).
Vorwärtsausblick vom Verajoch mit der Schesaplana.

Da blieben wir ewas länger, und gerne hätten wir von hier schon den Lünersee gesehen. Der versteckt sich aber noch hinter dem rechts liegenden Rossberg. So gings das Hochtal hinaus bis wir rechts um den vom Rossberg herunterziehenden Kamm herumgingen und den See und die an dessen anderer Seite stehende Douglasshütte vor uns hatten. Recht angenehm eigentlich, wenns mich da zwischendurch in einem smeki-guck-in-die-Luft-Moment nicht einmal hingehaut hätte.

Auch die Totalphütte lässt sich beim Abstieg vom Verajoch schon erkennen und heranzoomen – vorher gehts aber noch abwärts zum Lünersee.
Der Lünersee taucht bei der Umrundung des Rossbergs schließlich auf.

Die Douglasshütte hatten wir zwar nicht konkret eingeplant, wenns früh genug sein sollte, wollten wir aber trotzdem hinschauen und somit eine Seeumrundung hinlegen.

Lünersee (© gtwo).

Früh genug wars zwar, allerdings taugte uns beiden die an der Oststeite des Sees zu sehende Steigung des Wegs rund um den See zur Hütte nicht – Douglasshütte abgeblasen und wir gingen zur Lüneralpe, wo wir uns um 10 nach 2 nochmals gemütlich niederließen.

Die Lünerseealpe – Einkehr.

Die Totalphütte, die hatten wir auch schon länger im Blick samt der auffälligen blauen Container, die nach der Zerstörung der Hütte im Winter durch eine Lawine aufgestellt wurden – einer diese Container sollte heute uns Nachtquartier sein. Auf dem rund um den See führenden Fahrweg gings an der Südseite des Sees hin zum Anstieg Richtung Totalphütte.

Entlang der Südseite des Lünersees zum heutigen letzten Anstieg, zur Totalphütte.

Der beginnt in engen Serpentinen auf kleingerölligem Untergrund, nicht der angenehmste Bodenbelag. Wir trafen dann auf den Weg, der von rechts von der Douglasshütte direkt daherkommt.

Ganz schön was los am Himmel (© gtwo).

Auf den bogen wir ein und weiter gings auf erdigem-steinigem Steig hinauf zur letzten Stufe zur Totalphütte.

Ein seltenes Exemplar hier in Vorarlberg – eine Zentralalpenweg-Markierung.

Mit einer längeren Rast zwischendurch, wir hatten ja genügend Zeit. Ein Teil des Austiegswegs dürfte recht neu in den Hang gebaut worden sein, der alte Weg war durch Steinhaufen gewissermaßen abgesperrt und deutliche Hinweise leiteten auf den neuen Weg.

So sah das dann aus.

Vor der letzten Stufe zur Totalphütte galt es noch ein kleines Schneefeld zu queren, bevor es steil zur Hütte ging, die wir um 1/4 5 erreichten.

Der Lünersee von oben.
Hangquerung, bevor es an den letzten Aufschwung zur Totalphütte geht.
Wir erreichen die Totalphütte und das anliegende Containerdorf.

Sehr bemüht war man hier. Wir bekamen, wie wohl die meisten anderen auch, einen 2er-Container als Schlafstatt, selbst Duschen und Waschraum sind in Containern als Provisorium eingerichtet. Taugte mir, wie man mit der Zerstörung der Hütte umgeht und das beste daraus gemacht hat. Wenige Gäste und das Hüttenteam können noch in dem stehengebliebenen, aber verschobenen Teil der Hütte übernachten, eine Gaststube ist offen. Und Mitte September soll der Neubau beginnen, wobei der Rohbau bis Ende Oktober stehen soll.

Der stehengebliebene Teil der Hütte, samt den Sanitärcontainern (© gtwo).
Der gtwo- und smeki-Container für heute. Besser gehts eh nicht.
Die bei der Winterraumhütte aufgestellten Quartiercontainer (© gtwo).

Was wir morgen machen, steht noch nicht ganz fest. Zur Pfälzer Hütte solls jedenfalls gehen, aber über welchen Weg? Der normale Sommerweg über die Schesaplana steckt zu einem Großteil noch im Schnee und wird heuer bisher noch nicht gegangen, der bei diesen Verhältnissen besser zu begehende Winterweg auf den Gipfel ist angeblich aber gut begehbar und bestens gespurt, und soll heuer schon von mehreren 100 Leuten begangen worden sein. Allerdings ist über Nacht und morgen Früh schlechtes Wetter angesagt (und gerade jetzt, als ich das schreibe, schüttets und stürmts draußen). Dann könnte es die vermutlich leichtere und jedenfalls kürzere Variante über die Schweiz und über die Schesaplanahütte werden.

Tag 66 (15. Juli 2019): Totalphütte – Pfälzer Hütte

Heute sah es in der Früh nicht gut aus. Regen gabs nach einer regnerischen Nacht wenigstens nicht mehr, aber es war dicht neblig. Die Schesaplana hatte damit keine guten Karten, wir warteten aber nach dem Frühstück noch ein bisschen ab, bzw. trödelten beim Zusammenpacken in unserem Container noch herum. Dann stand aber fest, dass wir heute über die Schweizer Seite zur Pfälzer Hütte gehen werden.

Sieht nicht so gut heute früh – Blick übers Totalpcontainerdorf.
Der stehengebliebenem aber verschobene Teil der Totalphütte am nebeligen 2. Morgen unserer Tour.

Ganz so lange sollte die Tour damit auch nicht dauern, störte also nicht, dass wir erst um ½ 9 in Richtung der Gamsluggen wegmarschierten.

Abmarsch in den Nebel (© gtwo).

Recht flach war der Weg dorthin, ein paar Schneefelder hatten wir zu überqueren, ansonsten führte der Weg über steiniges Gelände dorthin.

Am Weg zur Gamsluggen.
Noch ein Schnefeld, bevor es steil in die Scharte geht.

Vor dem letzten Anstieg in die und hinter dem letzten Schneefeld vor der Gamsluggen wurde es ein wenig schottrig unangenhem, dann führten uns steile Schritte hinauf in die schmale Scharte.

Im letzten Aufschwung zur Scharte.
In die Gamsluggen (© gtwo).

Und dann wurde es spannend: in der Totalphütte hatte man uns schon erklärt, dass der Beginn des Abstiegs von der Gamsluggen ein sehr steiler und versichert, der schwierigste Teil allerdings nach etwa 10 Minuten erledigt sein soll.

Wegweiser in der Gamsluggen (© gtwo).

Und gleich nach der Scharte begann auch die Kettenversicherung, es ging noch am abschüssigen Hang entlang.

So sieht der direkte Weiterweg aus der Gamsluggen aus.

Dann aber begannen die schmalen Serpentinen abwärts, und die waren zum Teil doch recht schwierig zu steigen.

Und so, ein paar Meter weiter der Blick nach unten auf den weiteren Steig.

Gert hinter mir fühlte sich von Beginn an offensichtlich nicht wohl und vor allem da, wo gerade keine Versicherungen hingen, zögerte er recht lange herum.

Und so der sich nicht wohl fühlende Blick, bevor Gert wieder kehrt macht.

Ich stieg ein paar Serpentinen vor, dann kam von hinten ein ‚Du, ich lass das lieber.‘ Gert machte also kehrt, forderte mich aber auf, mich nicht wieder aufhalten zu lassen, sondern weiterzugehen. Mein ‚Schau, dass du heute doch irgendwie zur Pfälzer Hütte kommst‘ wurde noch positiv beantwortet, dann war er im Nebel nach oben hin auch schon wieder verschwunden. Drei Serpentinen später war der versicherte Abstiegsteil vorbei, wobei der schwierigste Schritt noch nach Gerts Umkehr folgte. Danach ging es zwar steil weiter bergab hinunter ins unter mir liegende Tal des Valserbachs, aber bereits wieder auf wanderbaren Steigen.

Der schwierigere Teil ist geschafft. Blick nach oben, auch wenn man fast nicht erkennt.

Der Nebel verschwand hier herunten auch zeitweise, also konnte ich mir heute erstmals einen Blick über die Gegend machen.

Vorerst heraußen aus der Nebelzone, geht es in Richtung des Golrosapasses am Talschluss des Valserbachtals..

Ein letzte lange Serpentine führt in Richtung Talschluss, dann dreht der Weg in Richtung talauswärts und an die nun folgende lange Hangwanderung zur Schesaplanhütte.

Am Talschluss dreht der Weg scharf nach rechts und es geht in Richtung Schesaplanahütte.

Anfangs führte mich die noch ein wenig abwärts, dann ging es über lange Zeit relativ flach, ohne viel Auf und Ab angenehm dahin. Quasi die Belohnung für den doch anstrengenden Abstieg von der Gamsluggen.

Angenehmes Dahinwandern folgt dem doch eher anstrengenden Abstieg von der Gamsluggen.

Über Wiesen, zwischen Latschen, oberhalb von kürzeren Steilabbrüchen und an Weideflächen vorbei und durch – nicht ohne, dass es immer wieder zuzog und die Phasen mit zumindest beschränkter Aussicht kurz blieben.

Weiterhin meist im Nebel der Schesaplanahütte entgegen.

So tauchte nach knapp 2 ½ Stunden des Wanderns auch die Schesaplanahütte eher plötzlich vor mir auf, obwohl ich sie doch schon erwartet hatte.

Die Schesaplanahütte zeigt sich.

Am oberen Ende größerer Almflächen liegt diese und als ich ihr entgegenging, riss es doch soweit auf, dass sich auch ein paar blaue Felcken am Himmel zeigten.

Die Schesaplanahütte in größer.

Ich kehrte ein und machte nach einer halben Stunde Rast wieder einen Abgang. Währenddessen fragte ich noch bei Gert nach, ob alles passt – er saß gerade in der Gondel vom Lünersee hinunter.

Schon wieder am Weiterweg von der Hütte Richtung Hochjoch bzw. Große Furka.

Noch wars relativ unneblig als ich wieder wegging, das sollte sich aber schon noch ändern. Es ging wieder an den Hang unterhalb der Abhänge der Schesaplana und schon langsam steigend, immer wieder Bachläufe querend, mal kurze felsige Passagen querend, meist jedoch über Wiesen dahin.

Rückblick zur Schesaplanahütte.

Ich kam bei der Abzweigung in den Schweizersteig hinauf in den Schesaplanasattel und auf die Schesaplana vorbei und es ging immer steiniger werdend dem Hochjoch bzw. auch Große Furka (beides ist möglich) entgegen.

Abzweigung in den Schweizersteig.
Es wird felsiger.

Ein Rückblick zur Schesaplanahütte war auch immer nur für kurze Momente möglich, Nebel. Ein so ein kurzer lichter Moment zeigte mir in meine Vorwärtsrichtung auch den Eingang in zwei Hochtäler – das rechte davon sollte jenes sein, in welchem es zur Großen Furka hinaufgeht.

Auf der langen Hangwanderung unterhalb der Schesaplana.
Am Ende des rechten Hochtals befindet sich das Hochjoch.

Die sah man allerdings nie, lag immer unter Wolken. Der Weg dreht dann nach rechts um einen herunterziehenden Kamm herum, da tauchte dann vor mir die Kleine Furka auf – kurz hatte ich ja gehofft, das sei schon die Große.

Da vorne, Richtung links führend, mein Weiterweg zur Großen Furka.
Rechts die Kleine Furka.

Ein Blick in die Karte überzeugte mich davon, dass mein Weg in die Große Furka noch ein weiterer war. Relativ steil gings weiter zur Abweigung Große oder Kleine Furka, links war für mich dran und weiter gings am Hang dorthin.

An der Wegteilung: Jeweils Furka, links groß, rechts klein.

Zum Nebel, in den ich bald wieder eintauchte, kamen hier heroben auch die nicht gerade hohen Temperaturen, Handschuhe waren notwendig.

Hangquerung Richtung Große Furka.

Am Hang unterhalb des Grats zur Hornspitze gings leicht steigend und ein paar kleine Schneefeler querend zum Sattel, der nebelbedingt wieder sehr plötzlich und überraschend vor mir lag.

Noch keine Ahnung. dass ich gleich im Sattel stehen würde.
2 Minuten später. Im Hochjoch.

Nicht nur am Zentralalpenweg war ich hier wieder unterwegs, die Hauptroute kommt von der Panuelalpe hier herauf, auch läuft hier der Liechtensteiner Höhenweg bzw. auch der Höhenweg Rätikon. Über den nachfolgenden Weg kann ich fast gar nichts sagen – ich sah nämlich bis fast zur Pfälzer Hütte genau gar nichts rund um mich.

Irgendwo am Weg zwischen Hochjoch und Barthümeljoch.

Unschwierig über ein paar Schneefelder und sonst Wege durch steinige Wiesenflachen gelangte ich ins Barthümeljoch.

Wegweiser im Barthümeljoch.

Ein wenig spannender wird der Weg noch hinter diesem Joch. Längere Schneefelder waren zu queren, eines davon war angesichts des nicht einfachen Zutrittes auf den Schnee und die folgende Steilheit des Feldes ein wenig heikel.

Jenes etwas heiklere Schneefeld im Rückblick.

Zeitweise gings rechts von mir ziemlich steil bergab, oft oder meistens ging es aber im laufenden Auf und Ab gut gehbar dahin. Die Schneefelder waren allesamt gut gespurt und ein Blick von Markierung zu Markierung war eigentlich immer möglich.

Einiges an Schneefeldern am Weg zur Pfälzer Hütte.
Und noch mehr Nebel.

Schon gegen Ende des Wegs zur Pfälzer Hütte gibts eine versicherte Passage, wobei die dortigen Drahtseile durchaus hilfreich sind.

Da vorne folgt die kurze drahtseilversicherte Passage.

Und schließlich und wieder plötzlich sah ich knapp vor 4 vor mir ein paar Tafeln, das deutete mir, dass ich wohl den Weg zur Pfälzer Hütte bald geschafft hatte.

Gleich dürfte es geschafft sein. Mit viel Phantasie lassen sich auch am Foto die Markierungsstangen im Sattel vor der Pfälzer Hütte erkennen – in natura jedenfalls schon.

Ich kam an den Quasi-Grenzübergang von Vorarlberg nach Liechtenstein – mit einem Drehkreuz. Ich wußte jetzt, dass ich wohl keine 10 Minuten mehr zur Hütte hatte, ich machte es mir aber nochmals kurz auf dem dortigen Grenzstein bequem.

Ein kurzes Aufreißen – und tatsächlich, da ist sie, die Pfälzer Hütte.

Währenddessen riss es kurz mal auf und ich sah auch die Hütte und erstmals auch ein wenig retour auf den Hang, den ich gerade entlanggekommen war.

Rückblick- von irgendwo kam ich da über den Liechtensteiner Höhenweg daher.

Bei guter Sicht hätte ich die Hütte wohl schon seit der Großen Furka immer wieder vor mir gesehen.

Und dann bin ich da. Die Hütte versteckt sich aber wieder ganz gut – rechts im Gebäude ist der Winterraum.

Schließlich ging ich um 4 die letzten Meter in die Hütte, bekam gleich mein 8er-Lager zugewiesen und stürzte mich dann auf eine Megaportion Gröstl mit Speck und Ei – war nicht schaffbar.

Mahlzeit.

Verbindung hatte ich hier heroben nicht, wo mein Wanderpartner steckte, wußte ich daher nicht. Und je mehr Zeit verging, desto mehr dachte ich nicht mehr daran, dass er noch auftauchen würde – vielleicht kommt er mir ja morgen bei der Gafadurahütte oder zwischendurch entgegen. Allerdings, heim könnt er ja auch schon gefahren sein. Dann fings zu regnen, ja zu schütten an und nachdem ich mich für ein Stünderl ins Lager gelegt hatte und knapp nach 7 wieder in den Gastraum ging, da ging auf einmal die Tür zur Hütte auf und ein vollkommen durchnässter Gert stand da. Er war von Nenzing mit dem Wanderbus zum Nenzinger Himmel gefahren und von dort aufgestiegen. Die letzte Stunde hatte ihn der Regen voll erwischt und er wohl auch viel geflucht.

Blick hinunter auf den Aufstiegsweg vom Nenzinger Himmel.

Nett, so kanns morgen wieder zu 2t weitergehen. Und an was wir uns nun für die nächsten 1 1/2 Tag gewöhnen müssen – schon 1 m neben Vorarlberg, soweit ist die Pfälzer Hütte von der Landesgrenze entfernt, ist das Preisniveau ein ganz anderes, wobei sich schon Vorarlberg eher hochpreisig präsentiert. Dazu kommt, dass die Wirtin der Pfälzer Hütte zwar auch Euros nimmt, der Umrechnungskurs zum Franken aber 1:1 beträgt – bringt auch ein paar Zusatzgroscherl. Will aber nicht klagen – wir wussten es, und nett und gemütlich ist es auf der Hütte.

(Wegstrecke: 17 km)

Tag 67 (16.07.2019): Pfälzer Hütte – Gafadurahütte

Alles sah perfekt aus heute in der Früh – blauer Himmel, ein guter Tag für die Wanderung zur Gafadurahütte kündigte sich an.

Das sieht gut aus. Ein guter Morgen bei der Pfälzer Hütte.

Ganz so gut wurde er dann doch nicht – wir erreichten unser Ziel nicht, sondern fanden unseren Tagesabschluss in Schaan in Liechtenstein, ganz herunten im Rheintal.  Für den Tag, der in der Wegbeschreibung zwei anspruchsvolle Streckenteile enthält, wählten wir gleich von vornherein die da auch genannten Umgehungsmöglichkeiten – also kein Fürstensteig und keine Drei Schwestern, wobei ich zweitere, auch wenn ich alleine geblieben wäre, auch nicht auf mich nehmen wollte.

Die Pfälzer Hütte – wenn, anders als gestern, die Sicht eine bessere ist. Dahinter der Augustenberg.
Dahin gehts los. Durchs Naaftal.

Um etwa 3/4 8 verließen wir die Pfälzer Hütte und wanderten über einen Wiesensteig durchs Naaftal hinunter ans Ende des Valünatals.

Zur Pfälzer Hütte zurückgeschaut.
Abwärts durchs Naaftal.

Da führt der Weg hinter einer Abzweigung, die Ortschaft Steg wäre die andere Möglichkeit gewesen, über den Valünerbach und dreht an den westlichen Hang des Tals.

Das Valünatal. An dessen linker (westlicher) Talseite gehts Richtung Sücka.
Am Beginn der Hangwanderung über dem Valünatal.

Eine Wanderung hoch über dem Tal folgte, selbst hier war ein kleines Schneefeld noch störend, und wir kamen nach einer Wiesenhang- und Waldhangwanderung zur Gapfahl Alp, wo 2 Via Alpina-Begeherinnen übernachtet hatten, und sich gerade bereit für ein Weiterkommen machten.

Zu den Hütten der Alpe Gapfahl.
Am Weiterweg von der Alpe Gapfahl (© gtwo).

Hinter der Alm gehts ein Stückerl aufwärts auf der über die Almflächen führenden Schotterstraße, dann bogen wir wieder auf einen schmalen Weg ab, der uns in 2 Serpentinen abwärts führend schließlich an die nächsten Alpe, der Alpelti brachte.

Zur Alpelti.
Alpbevölkerung.
Rückblick übers Valünatal. Hinten der Naafkopf oberhalb der Pfälzer Hütte.

Die breite Schotterstraße über die Alm setzt sich dahinter fort und führt im Wald abwärts Richtung Sücka.

Steg liegt unter uns (© gtwo).

Die eine Rastbank, die auf dem ganzen Weg bisher stand, die nahmen wir nach bisher etwa 2 1/2 Stunden, ich kündigte uns bei der Gafadurahütte an und bald gingen wir weiter. Und hätten uns diese eine Rast eigentlich sparen können. Denn bald danach trafen wir bei der Alpe und dem Gasthof Sücka ein – Einkehr.

Wir erreichen Sücka. Im Hintergrund bereits Alpspitz und Helwangspitz – dazwischen wirds uns heute noch durchführen.

Plauschen mit der Wirtin, einiges an Getränk, vor allem das Plauschen sorgte dafür, dass die Einkehr mit fast einer 3/4 Stunde etwas lange ausfiel. Aber wir sollten ja genug Zeit haben bis zur Gafadurahütte.

Es geht weiter vom Gasthof Sücka.

Hinter dem Gasthof Sücka gings dann einmal kurz auf der Straße weiter, kurz aufwärts bis wir vor einem Tunnel standen, der uns ein wenig überraschte. Hier herauf und durch hat einmal die alte Straße vom Rheintal hinüber nach Steg geführt, seit den 40er-Jahren gibts da einen direkten und ein paar Etagen unter uns führenden 740 m langen Straßentunnel.

Durch den alten Straßentunnel, bevor es nach Silum geht.

Durch den Tunnel, erfolgreich die Dunkelheit gemeistert, kamen wir an die andere Seite der zwischen dem Rheintal und dem Saminatal liegenden Höhenzugs, und bogen gleich danach von der Straße weg auf einen Hangweg. Der führte uns flach hangwärts weiter. Erst kurz vor Silum gings ein wenig aufwärts und wir erreichten das kleine Alpdorf.

Am Weg nach Silum.

Da gabs bis vor wenigen Jahren auch einen Gasthof samt Übernachtungsmöglichkeit, leider nicht mehr, der steht nunmehr geschlossen links knapp unterhalb der 02er-Route.

Im Alpdorf von Silum.

Wasser tankten wir hier an einem Brunnen auf – deren in der Gegend seit dem Ende des Valünatals viele herumstehen, bloß bisher alle kein Wasser gaben – anschließend gings durch das Dörfchen leicht aufwärts durch und wir landeten auf einer Forststraße.

Ausblick über Silum ins Rheintal.

Recht lange gingen wir die weiter am Hang entlang, unseres Erachtens dann auch schon zu lange, vermutlich auch weil grad die Sonne recht herdrückte. Nachgesehen auf der Karte – alles passte. Und auch schon kurz später standen wir an den Wiesen unterhalb der Bärgällaalpe.

Wir erreichen die Flächen der Bärgällaalpe. Vorne dann die Abzweigung – Fürstensteig ja/nein. Für uns leider nein.

Da zweigt dann auch der Weg in den Fürstensteig ab – war auf Intervention von Gert ja heute leider kein Thema. Soll in keiner Weise schwierig sein, bloß schwindelfrei sollte man sein.  Wir nahmen den Umweg in Angriff, der uns einmal weiter über die Alp an den Alpgebäuden vorbei hinauf in den Bärgällasattel brachte.

Bärgällaalpe – wo man uns heute noch sehr hilfreich sein wird.

Da zweigten wir von der Schotterstraße weg, es ging nach links und steil hinauf über die Wiesen an freundlichen Kühen vorbei in Richtung Alpspitz.

Der Weiterweg vom Bärgällasattel. Rechts der Helwangspitz.

Da hinauf wollten wir nicht, somit wars folgerichtig, dass wir mitten im Hang auf einen etwas breiteren Weg nach rechts schwenkten. Der Weg führte ebenso zügig bergan und brachte uns schließlich zum sog. Chemi.

Recht zügig gehts aufwärts in das Schartl zwischen Alpspitz und Helwangspitz.
Ausblick dahin, von wo wir herkamen: das Valünatal.

Das ist der Durchlass, das Schartl, das Joch am Kamm zwischen dem Alpspitz und dem Helwangspitz, durch welches man auf die andere Seite hinüberkommt. Chemi ist schwitzerdütsch und steht für Kamin – Gert, der ja einen Teil seiner Jugend in der Schweiz verbrachte, hat damit weiter zu meiner (und hoffentlich auch der Leser und Leserinnen hier) Weiterbildung beigetragen. Diese andere Seite, die ist ansonsten eher nicht wanderbar – steile Wände gäbs hier ansonsten.

Durch den Chemi, den Übergang zwischen Helwangspitz und Alpspitz (© gtwo).

Schön sah man da auch bereits auf den Weiterweg Richtung Kuegrat und Drei Schwestern. Allerdings kamen da schon leichte Unmutsäußerungen von Gert – wobei ich mir schon dachte, dass wenn es heute tatsächlich noch ein wenig schwierig wird, ich mit ihm eher nicht rechnen werde können.

Weiterweg vom Chemi: Gafleispitz, Kuegrat und dahinter die Garsellatürme.

Durch die nördliche Seite hinunter vom Chemi ist hier ein breiter Weg in den steilen Hang gehauen und gebaut worden – und ist derzeit Baustelle. Wie uns später erzählt wurde, wurde der Weg im letzten Jahr bei Blitz-und-Donnerwetter zerstört und wird derzeit frisch und flipflopgerecht in den Hang betoniert. So mussten wir durch eine geröllige Baustelle und zwischen Baufahrzeugen uns unseren Weg suchen. Schließlich zweigt ein Steig nach links weg und flach gelangten wir in den Gafleisattel.

Im Gafleisattel. Da kommt von links der Fürstensteig daher.

Da war jetzt einmal Pause dran, seit Sücka waren wir schon wieder länger unterwegs und ein paar Happen Kalorien konnten auch nicht schaden.

Am Weiterweg vom Gafleisattel. Zurückgeschaut (© gtwo).

Im Gafleisattel kommt auch der Fürstensteig von links daher, kürzer wäre diese Möglichkeit jedenfalls – wie gesagt, Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Rund um den Gafleispitz.

Ab dem Gafleisattel tauchten wir dann in Latschenlandschaft ein. Der Weg führt zunächst recht flach unterhalb des Richtung Drei Schwestern führenden Grats dahin, dann gehts ein paar Serpentinen aufwärts auf Höhe des Gafleispitzes.

Rückblick zu Helwangspitz und Alpspitz, mit der Chemi zwischendrinnen.

Bei Gert hatte selbst dieser am Hang führende Weg vom Chemi aus Zweifel erregt, bis hin zum Kuegrat ist es aber ausschließlich Wanderstrecke (und auch noch weiter bis zum Einstieg auf den Garsellakopf). Hinter dem Gafleispitz, wir besuchten ihn nicht, wechselt der Weg auf die Rheintalseite des Grats.

Zwischen Gafleispitz und Kuegrat.

Noch ein Stück später – da befindet sich auch die Abzweigung eines Steigs hinunter nach Schaan – wird wieder die Seite gewechselt und es geht dem Gipfel des Kuegrat entgegen.

Am Kuegrat sind wir bald.

Ein paar letzte Serpentinen und wir standen Punkt 15 Uhr am Gipfel. Schöne Aussicht in alle Richtungen, Rheintal, Saminatal und retour auf unseren Herweg. Aber der Ausblick nach vorne, der erschreckte Gert sichtlich. Wo man die Garsellaköpfe umgehen könnte und ob unser Weg da tatsächlich dahin und drüberführt, wollte er mit etwas angstvollem Blick wissen.

Am Gipfel des Kuegrats.

Ja, da müssten wir hin und über den ersten Gipfel auf Rheintalseite drüber. Mittlerweile war eine Gruppe von den Drei Schwestern dahergekommen, deren Erzählungen beruhigten ihn leider auch nicht – eher im Gegenteil. Hinter uns kamen noch zwei junge Leute, die in Richtung der Drei Schwestern wollten.

So sieht der Weiterweg zum Garsellakopf aus. Samt tollem Ausblick ins Rheintal.

Bald verkündete Gert dann seinen Entschluss umzudrehen und er schloss sich beim Retourweg der von den Drei Schwestern gekommenen Gruppe an – ich sollte ruhig zur Hütte weitergehen, er werde sich abends rühren, wo er denn sei. Ich ging einmal los, eigentlich wollte ich trotzdem ja noch zur Gafadurahütte kommen. Muß aber zugeben, dass mich Gerts erschrockene und ängstliche Reaktion selbst ein wenig verunsichert hat.

Der Garsellakopf von näher.

Vom Kuegrat gings in ein paar Serpentinen abwärts, dann weiter entlang des Kamms an den Beginn des Steigs auf den Garsellakopf. Ein paar Schritte machte ich aufwärts, dann dachte ich mir, dass ich da doch lieber wen dabei hätte. Und weil ja die zwei jungen Leute vom Kuegrat noch hinter mir kommen sollten, hoffte ich auf die beiden und wartete. Nach 10 Minuten und keiner Spur von den beiden und auch sonst niemandem, drehte ich um und machte mich auf denselben Weg wie Gert.

Ich entschliesse mich leider auch wieder, zurückzugehen. Dahin, zum Kuegrat.

Ich meldete mich per SMS und mit ziemlichem Tempo rannte ich ihm hinterher. Im Gafleisattel wartete er auf mich und nach kurzem Plausch wollten wir wenigsten in diese Richtung den Fürstensteig besuchen – die Gruppe, mit der er bis hier her vom Kuegrat gegangen war, die hatte ihn diesbezüglich ruhiger gestimmt.

Und weiter dahin: Gafleispitz, dahinter links Helwangspitz und rechts Alpspitz. Links am Bildrand das Valünatal, aus dem wir heute Vormittag kamen.

Der Versuch war aber trotzdem nur ein sehr kurzer. Wenige Meter nach dem Drehkreuz, bevor es in den Steig geht, wird der Blick auf den Fürstensteig frei.

Ein kurzer Versuch am Fürstensteig – leider gehts gleich wieder retour.

Gert blieb stehen, nein doch nicht, und wir drehten wieder um und über den Chemi gings auf unserem Herweg zurück in den Bärgällasattel und zur Bärgällaalpe, wieder mit dem schiachen Baustellenstück zwischendurch, diesmal im Aufwärtsgang.

Und über die Baustelle hinauf zum Chemi.
Gleich sind wir zurück im Bärgällasattel.

3/4 6 wars und wir hatten jetzt einmal genau keine Ahnung, wie und wohin weiter. In der Bärgällaalpe kehrten wir einmal ein und da wurde uns wirklich sehr geholfen. Ein junge Familie aus Dornbirn mit 3 kleinen Buben bewirtschaftet die Alm über den Sommer. Zum einen sagte ich uns einmal bei der Gafadurahütte wieder ab, dann galts einen Weg hinunter ins Tal und ein Quartier zu finden. Gert erinnerte sich daran, dass eine Wanderin in der Pfälzer Hütte als nächstes Ziel die Jugendherberge in Schaan hatte – also dorthin, die wird dann auch hoffentlich kein Vermögen kosten. Die Dame der Alm suchte uns die Telefonnummer heraus und auch den Busfahrplan, denn im knapp unter der Bärgällaalpe liegenden Gaflei sollten heute schon noch Busse hinunter ins Rheintal fahren. Der nächste Bus ging schon in ein paar Minuten, also wurden wir von ihr auch noch ins Auto gepackt und sie brachte uns zur Busstation. Während der Busfahrt organisierten wir, wir jungen Leute, uns noch das Quartier in der Jugendherberge, und trafen da dann so um 1/2 8 ein. Abendessen bekamen wir noch, Bier und Limo, also Radler auch und weil wir so müde Wanderer sind, wurden wir auch nicht noch in ein bereits teilweise besetztes Zimmer hinzugepackt, sondern bekamen unser eigenes 6er-Zimmer. Und das zu einem Preis, der in Liechtenstein vermutlich als Schnäppchen zu beurteilen ist. Guter Abschluss eines sonst nicht gut so gelungenen Tages.

(Wegstrecke: 22 km)

Tag 68 (17.07.2019): Planken – Feldkirch

Nachdem uns der gestrige Tag ins Rheintal nach Schaan verschlagen hatte, war der Weiterweg irgendwie zu organisieren. Schnell hatten wir uns gestern am Abend geeinigt, dass wir mit dem Bus nach Planken und von dort den Wiederaufstieg zum Zentralalpenweg zur Gafadurahütte in Angriff nehmen würden. Wann der Bus fährt, war noch herauszubekommen. Auch das war schnell erledigt, allerdings fuhr unser Bus über den Bahnhof Schaan nach Planken erst um 09.53 – doch etwas spät, es sollte sich aber bis abends zum letzten möglichen Zug in Feldkirch schon ausgehen.

Warten auf den Bus in Vaduz.

Einen hätte es davor gegeben, das allerdings wieder zu früh für unseren Geschmack und vor allem nur unter Verzicht auf ein Frühstück in der Jugendherberge. Alles ging pünktlich, um 10.13 waren wir bei wieder gutem Wanderwetter in Planken und starteten den Aufstieg zur Gafadurahütte.

Start in Planken.

Mit etwa 3 Stunden rechneten wir zuerst, die Wegtafel in Planken stimmte uns allerdings zuversichtlich, schneller bei der Gafadurahütte zu sein – da stand etwas von 1 Std. 50 Minuten. Nach einem Stück noch in Planken auf Asphalt, gings auf einen steilen Forstweg, auf dem wir die Zufahrtsstraße zur Hütte erreichten.

Erste Bergaufschritte Richtung Gafadurahütte.

Diese hätten wir auch nehmen können, uns war allerdings der Steig, der diese Forststraße abkürzt, lieber. Steil bergan gings kontinuierlich, lediglich meterweise an den Querungen der Forststraße wurde die Steilheit unterbrochen, einmal an einer Unterstandshütte vorbei und wir erreichten die Almflächen der Gafadura.

Durchgehend steil aufwärts gehts zur Gafadurahütte.
Wir erreichen die Almflächen der Gafadura. Links oben bereits die Hütte.
Gleich gibts Pause..

Da hatten wir recht bald die Hütte im Blick, die am oberen Ende der Alm steht. Gert hatte die meiste Zeit das Tempo angegeben, und das war kein geringes – nach bereits 1 1/2 Stunden hatten wir 720 hm geschafft, waren bei der Hütte und hatten genug Zeit für eine ausgiebigere Einkehr. Damit wollten wir auch unser gestriges Nichterscheinen und die Nichtübernachtung ein wenig gutmachen.

Blick ins Rheintal mit Schaan und Buchs.

Auch der Zentralalpenweg besucht die Hütte, allerdings in einer Stichstrecke vom Sarojasattel, in den wir nach unserer Einkehr noch hinauf mussten – somit waren wir jetzt also wieder auf unserer Route. Nach fast einer 3/4 Stunde Pause marschierten wir wieder los und an die letzten 200 Bergaufhöhenmeter für heute und für meinen Zentralalpenweg.

Gafadurahütte.

Der Weg führt in weiten Kehren im Wald dahin aufwärts, nicht mehr ganz in der Steilheit, wie der Anstieg zur Gafadurahütte, allerdings schweißtreibend war dieser Anstieg auch noch.

Aufwärts in den Sarojasattel.

Um 13 Uhr waren wir im Sattel, und konnten bestaunen, wo der Zentralalpenweg die geneigten Wandernden drüberführt.

Im Sarojasattel.

Die Schwestern zeigten sich in ihrer ganzen Pracht – und von dieser Seite: beeindruckend, so auf den fernen Eindruck hin recht arg, aber wird schon ein Weg durch die Felskulisse durchführen. Vom Anblick her vielleicht eine Klasse zu hoch für mich, vor allem alleine, aber müsste man sich mal anschauen.

Drei Schwestern vom Sarojasattel.

Aber gut, auch wenn ich gestern den Garsellakopf doch mitgenommen hätte, die Schwestern hätte ich sowieso ausgelassen und wäre über die Garsellaalpe zum Sarojasattel gewandert.

Der Weiterweg vom Sarojasattel.

Nach unseren etwas respektvollen Blicken zu den Schwestern machten wir uns an einen recht gemütlichen Wegteil. Hinüber zur Feldkircher Hütte ging es weiter.

Vom Sarojasattel zur Sarojaalpe (© gtwo).
Über die Sarojaalpen zu den Drei Schwestern geschaut (© gtwo).

Erst über Almflächen absteigend zur Sarojaalpe, und ab hier auf einer Schotterstraße flach oder leicht abwärts führend zur Amerlugalpe oberhalb der Feldkircher Hütte.

Es geht weiter von der Sarojaalpen zur Feldkircher Hütte.
Ein letztes Mal zu den Drei Schwestern zurückgeschaut.

Die Hütten der Alpe ließen wir links und rechts liegen, und landeten bald dahinter bei der Feldkircher Hütte.

Vorne die Amerlugalpe, da gehts vorbei. Knapp dahinter und unter dem Gupf liegt die Feldkircher Hütte.
Schon näher dran an der Amerlugalpe.

Nächste Einkehr, 1/2 3 wars. keine Eile also. Unser Zug ging erst um 1/4 7.

Ausblick ins Illtal über die Feldkircher Hütte.
Wir erreichen die Feldkircher Hütte (© gtwo).

Noch einmal eine Wurst, und noch einmal einen Liter zu trinken und nachdem wir sowohl von der Kellnerin als auch von Gästen ein wenig über unsere Wanderung ausgefratschelt wurden, gingen wir an den letzten Gang. Zwei Möglichkeiten gibts von der Feldkircher Hütte abwärts Richtung Feldkirch (von der Amerlugalpe ein Stück oberhalb gäbe es noch eine 3. durch den Tisner Wald): durchgehend steil und über den Geisweg, oder bloß anfangs steil, schießlich flacher und über Amerlügen. Wir nahmen den Geisweg, der uns wirklich steil im Wald abwärts brachte, ohne jedes Highlight und so gut wie ohne Aussicht.

Am Geisweg.
Das Beste, was der Geisweg an Ausblick zu bieten hat. Schon recht weit herunten.
Zeit für Fotokünstlern zwischendurch (© gtwo).

Nach etwas mehr als einer 3/4 Stunde landeten wir auf einer Wiese über Fellengatter und gönnten den abwärtsgehgeschundenen Knien noch eine kurze Rast.

Der steile Abstieg ist geschafft. Kurze Rast.
Vor uns liegt Fellengatter.

Wir kamen hinunter nach Fellengatter, nach dessen Durchquerung wir an einer Wegkreuzung Feldkirch oder Feldkirch standen.

Gefährliche Omas in Fellengatter.

Welcher der schönere Weg sei, fragten wir eine vorbeikommende Dame, die schickte uns auf den nach links und durch ein kurzes Waldstück und danach die abwärts führende Duxgasse und wir kamen an einen Hang oberhalb von Feldkirch.

Da ist es: Feldkirch (© gtwo).

Da war ich nach 68 Tagen, ein Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen und es ging noch am Hang durch Wiesen hinunter in die Stadt.

Über die Ill.
smeki am Ziel: durch Feldkirch (© gtwo).

17 Uhr wars, es folgte eine Altstadtdurchquerung zum Bahnhof, wo wir noch eine 3/4 Stunde Zeit zu unserem Zug hatten. Der brachte uns mit Verspätung nach Wien – knapp wars, dass ich noch eine U-Bahn erreichte.

Zentralalpenweg Endstation Feldkirch.

(Wegstrecke: 12 km)

Grund und Anlass meiner „2. Weitwanderkarriere“, begonnen im Juli 2013, war ja der Zentralalpenweg, dessen Begehung ich meinem Vater und meinem Bruder nachmachen wollte. Das ist geschafft und mittlerweile habe ich damit 9 der 10 „Großen Wege“ hinter mich gebracht. Es fehlen bloß noch ein paar Äste der Mariazellerwege, für deren Begehung 2020 ein gutes Jahr sein dürfte – vielleicht geht sich ja auch heuer da noch was aus. Danke an meinen Bruder fürs Begleiten auf den Gletscherstrecken und so mancher schwierigen Route und da folgt ja heuer bzw. ab dem nächstem Jahr in punkto Zentralalpenweg noch was (es gibt ja auch A und B-Varianten). Ja und danke an Gert, der mich vor allem auf den letzten Teilstrecken immer wieder begleitet hat – und ja auch: Bitte, gerne ;)!

Weiteres Sommerprogram, soweit es höhere Berge sein sollen, wird der Arnoweg sein, aber zumindest das nächste Wochenende wird einmal ein ruhendes werden. Daheim werd ich bleiben.

3 Kommentare zu „Zentralalpenweg 02 Tage 65 bis 68: Tilisunahütte – Feldkirch“

  1. Nochmals herzlichen Glückwunsch zu deiner abgeschlossenen Begehung des Hauptweges des Zentralalpenwegs. Dein Blog ist mir immer eine große Hilfe und auch Motivation bei meiner eigenen Planung, denn auch wenn es nicht immer so geht wie man möchte (da kann ich jetzt ja auch schon ein ganz klein wenig mitreden), zeigst du schön auf – irgendwie geht es immer weiter.

    Also viel Spaß bei deinen weiteren Touren und Wanderungen!

    1. Auch nochmals danke. Ich war eh neugierig, wie du den 20 km-Zustieg durch den Bretsteingraben zur Schwabergerhütte hinter dich bringst – gut und nett, wenn die Familie Lust auf einen Kurzurlaub hat 😉

  2. Sehr schön – waren ein paar resche und fesche Touren (z.B. Abstieg über den Gepatschferner, Amertaler Scharte) dabei und ich konnte teilweise nachholen, was bei der Begehung ob der Verhältnisse damals nicht gänzlich möglich war (Edelrautehütte – Planneralm: Schüttregen; Rudolfshütte – Granatscharte – Fürst-Hütte: Wegfindungsprobleme; Gepatschferner: Neuschnee).

    Andererseits erinnert man sich auch gerne im Rückblick an so manche (Monster-)Tour, wie z.B. von der Neuen Prager Hütte bis zum Krimmler Tauernhaus (damals natürlich ohne jedwede Gletscherausrüstung) und vergleicht mit der aktuellen Begehung (Ausrüstung, Zustand der Gletscher, …)

    Abschließend: Bidde sehr und dange schen!

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