Am Gipfel des Hinteren Moderecks und der Noespitze, oder: Ein Versuch am Klagenfurter Jubiläumsweg.

Heute wurden mir meine Grenzen aufgezeigt. Nämlich jene Grenzen, die mir meine kaputten Knie setzen. Das wird wohl nicht mehr wirklich besser werden, aber ein Jammerbericht soll es nicht werden. Daher zur Tour und zur anfänglichen Eigentlich-Geschichte: Eigentlich hatten wir für diesen Sonntag/Montag vor, den vor drei Jahren ausgelassenen Wegteil des Zentralalpenwegs am östlichen Teil des Klagenfurter Jubiläumsweg nachzuholen. Vom Hochtor sollte es in zwei Tagen mit einer Nächtigung im Otto-Umlauft-Biwak zur Goldzechscharte und von dort wieder abwärts über den Zirmsee und den Alten Pocher nach Heiligenblut gehen. Die Ostrichtung wurde es, da wir damit hofften, die schwierigeren Stellen im Aufwärtsgang vor uns zu haben – damit sollten wir uns aber täuschen. So wurde es dann bloß eine Gipfeltour, im Zuge derer wir wenigstens drei Gipfel hinter uns brachten: das Hintere Modereck, den Herbertturm und die Noespitze. Dort drehten wir um.

Allzu weit, also streckenmäßig, war die für heute Sonntag geplante Route nicht. Von ca. 4 1/2 Stunden redet die Wegbeschreibung des AV, 4 Stunden sind am Hochtor bis zum Umlauft-Biwak angeschrieben. Also war auch in der Früh ein bißchen Zeit, obwohl wir schon mit etwas mehr an Gehzeit rechneten. Unser Quartier hatten wir in Rauris, von wo wir ja gestern schon eine Tour unternommen hatten, und fuhren von dort um 1/2 8 in Richtung Hochtor. Über Fusch und die Glockner-Hochalpenstraße gelangten wir dort hin, und gingen um ca. 9 Uhr in der Früh weg. Von der Straße zunächst die etwa 70 Höhenmeter hinauf zur Paßhöhe und dann nach rechts in Richtung Hocharn weg. Vor drei Jahren waren wir von hier in Richtung Spielmann und Glocknerhaus dem Klagenfurter Jubiläumsweg in seinen Westteil gefolgt. Einen, aber unscheinbaren Anfangsgipfel bildete den Auftakt unserer Wanderung – vom Hochtor zogen wir weitere 50 Höhenmeter steil bergan auf den Tauernkopf. Hinter dem Tauernkopf breitete sich dann eine gewissermaßen Steppenlandschaft vor uns aus – die Hochebene, die zwischen dem Tauernkopf und der Erhebung vor der Weißenbachscharte liegt. Bis zur Scharte, in welcher sich die Abzweigung in Richtung Schareck befindet, gibt es dann die Wahl zwischen 2 Wegen, einer führt knapp unterhalb des Kamms dahin, der andere über ein paar kleine Türme am Kamm entlang. Zweiteren nahmen wir, gelangten zur erwähnten Abzweigung und weiter gings flach, später in ein wenig mehr Steigung auf die Erhebung vor der Weißenbachscharte. Da hinunter gings etwas felsiger und führt von der Scharte auch nochmals eine Weg weg – in die Südrichtung ins Fleißtal und nach Heiligenblut. Vor uns lag nun der Aufstieg aufs Hintere Modereck. Der beginnt steil über einen erdigen Gupf und wir erreichten dann schließlich den breiten Grat, auf dem es weiter zum Gipfel geht. Und gleich nach Erreichen des Kamms legt sich die erste kurze Kraxlstelle in den Weg. Die war noch recht leicht zu meistern, allzu weite Schritte waren da nicht erforderlich. Dahinter geht es auf dem schon schmäler werdenden Grat auf den Gipfel des Hinteren Moderecks. Den erreichten wir nach 2 1/4 Stunden, machten ein paar Fotos und zogen weiter. Vom Wetter her passte auch alles – die Sonne zeigte sich zwar kaum, was uns eh lieber war, und Wolken zogen herum, aber nicht dass uns diese irgendwie beunruhigten. Der Glockner versteckte sich meistens unter Wolken, aber dafür gabs andere schöne Weitblicke – in die Schobergruppe zum Beispiel. Entlang des Grats, bzw. knapp unterhalb an seiner nördlichen Seite gings vom Hinteren Modereck in die nächste Scharte. Da packten wir um 1/2 12 unser Jausenzeug aus und rasteten länger. Zeit hatten wir ja genug. Der Weiterweg führte uns auf den Herbertturm, um dessen höchsten Punkt es schon mit einer Versicherung rundherum ging. Und anschließend wurde es steil. Steil bergab gings vom Herbertturm in die darunter liegende Scharte. Und nicht nur steil, sondern auch relativ schwierig. Und meine Befürchtungen trafen dann genau ein – das Bergabsteigen taugte meinen Knien gar nicht, ich tat mir da wirklich schwer. Versichert ist der Abstieg genug, allerdings benötigts oft weite Schritte. In einer der schwierigeren Passagen half mir dann mein Bruder durch die Abnahme des Rucksacks und zweimaliges Hin- und Hersteigen weiter. Schließlich hatten wir den Abstieg vom Herbertturm gemeistert, standen in der Scharte und konnten den Weg zur Noespitze fortsetzen. Das war bis zum Gipfel wieder Wandergelände, auf dem Hang des sich hier gegen Norden hin abflachenden Grats gings hinauf. Um 13 Uhr standen wir damit auf Gipfel Nr. 3, und weit weg lag der nächste Gipfel, der Krumlkeeskopf auch nicht mehr, aber – da führte es wieder sausteil in eine Scharte und hinter dem Krumlkeeskopf sollte es dann nochmals an so einen steilen und nicht ganz einfachen Abstieg zum Otto-Umlauftbiwak gehen. Somit einigten wir uns hier darauf, lieber umzukehren, als die Bergabexperimente fortzuführen. Lieber nochmals den Herbertturm in der Gegenrichtung, als unbekannte steile, den bekannten Wegbeschreibungen nach nicht gerade einfache Abstiege in Angriff zu nehmen. Aber immerhin, einen weiteren 3000er konnten wir mit der Noespitze verbuchen.

Somit gings wieder retour hinunter an den Beginn des Herbertturms, wo wir nochmals länger pausierten. Der Aufstieg auf den Herbertturm, der gelang uns ganz gut, mir vor allem deswegen, weil mich mein Bruder wieder freundlich unterstützte – auch im Aufwärtsgang liegen meinen Knien die ganz weiten Schritte nicht mehr. Weiter vom Herbertturm über den Grat erreichten wir wieder den Gipfel des Hinteren Moderecks und weiter gings an die letzte leichte Kletterstelle am Weg. Die ging deutlich besser als diejenigen am Herbertturm zuvor – was für einen Unterschied auch nur geringfügig weniger Anspruch ans Kletter- und Knievermögen ausmacht. Recht froh ich war ich danach wieder meine Stöcke in Verwendung bringen zu können. Über die Weißenbachscharte gings auf die dahinter liegende Erhebung (ich finde keinen Namen dafür) und anschließend wieder auf den hochebenenartigen Weg in Richtung Tauernkopf, wo wir wieder den über den Kamm führenden „oberen“ Weg nahmen. Vom Tauernkopf gings noch an den steilen Abstieg in den Hochtorsattel und von dort etwas gemütlicher zur Hochalpenstraße. Die hatten wir um 3/4 5 erreicht und machten uns nach Umkleide an den Weg nach Hause.

Bald nach unserer Rückkehr zum Hochtor dürfte es auch in der Gegend um Hocharn und Sonnblick zu regnen begonnen haben, und sich das dann in der ganzen Glockner- und Goldberggruppe bis zum nächsten Tag in der Früh fortgesetzt haben – womit auch so nicht sicher gewesen wäre, ob wir überhaupt Richtung Hocharn gekommen wären oder nicht doch vom Biwak hätten absteigen müssen. Gut für mein Ego, dass es vermutlich nicht nur an mir gelegen ist, dass wir diese Tour nicht wie geplant zu Ende gebracht haben …

Das Otto-Umlauftbiwak werde ich damit aber wohl nicht mehr kennenlernen, noch einen Versuch auf diesem Teil des Klagenfurter Jubiläumsweg wird es eher nicht mehr spielen. Der geht schon sehr knapp an meine Bergfähigkeiten heran, liegt vermutlich schon darüber – die größeren Schwierigkeiten wären ja überhaupt erst am zweiten Tag gekommen. Nicht umsonst wird dieser Teil des Zentralalpenwegs auch als der anspruchsvollste beschrieben, und einige der mir bekannten Leute sind diesem Teilstück auf dem 02er auch ausgewichen.

Womit allerdings auch schon ein neues Vorhaben steht, für nächstes Jahr dann: die in der Wegbeschreibung (mittlerweile als Hauptroute) beschriebene Ausweichroute 02B anzugehen. Die führt südlich am Glockner vorbei über Heiligenblut, die Salm- und Stüdlhütte, Kals und die Sudetendeutsche Hütte zum Matreier Tauernhaus, wo sie bald dahinter bei der Alten Pragerhütte wieder auf die Hauptroute trifft.

Für mich sollte es an den nächsten Wochenenden wieder auf den Zentralalpenweg und aus dem Paznauntal in Richtung Ende gehen. Aber wie so häufig heuer: gerade an den Wochenenden dürfte es wettermäßig wieder nicht hochgebirgstauglich werden.

2 Kommentare zu „Am Gipfel des Hinteren Moderecks und der Noespitze, oder: Ein Versuch am Klagenfurter Jubiläumsweg.“

  1. Lieber Smeki,

    ich verfolge jetzt schon einige Zeit deine Berichte und lese sie immer sehr gerne. Diesen Bericht hab ich aber nicht gerne gelesen und es tut mir sehr leid für dich, dass dir diese Tour nicht gelungen ist. Ich hoffe, du bist inzwischen wieder fit und deine Knie erholen sich wieder vollständig.

    Ich freue mich schon auf die Berichte deiner nächsten erfolgreichen Begehungen!
    Chris

    1. Der nächste Bericht und vermutlich der letzte vom 02er heuer ist schon in Arbeit 😉

      Ja, und das mit den Knien ist nimmer ganz so einfach – aber sie lassen sich noch halbwegs ruhig stellen. Besser wirds allerdings leider nimmer.

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