Nationalpark Kalkalpenweg Tage 3 und 4: Reichraming/Abzweigung Anzenbach – Windischgarsten

Das Wetter, genauer der Wintereinbruch in den Zentralalpen, verhinderte an diesem Wochenende eine Fortsetzung am Zentralalpenweg – also anderes Programm. Schon lange schob ich den Weiterweg am Nationalpark Kalkalpenweg vor mir hin, irgendwie wollte es nie klappen, dass ich wieder ins Reichraminger Hintergebirge komme. Dieses Wochenende wars soweit. Trotz vorhergesagtem schlechten Wetter wollte ich die Durchquerung des Hintergebirges in Angriff nehmen, und nach Möglichkeit zwischendrinnen den Gipfel des Großen Größtenbergs, des höchsten Gipfels des Gebirges mitnehmen.

Tag 3 (02.09.2017): Reichraming/Abzweigung Anzenbach – Ebenforstalm

Den ersten Weckversuch heute beachtete ich nur insoweit, als ich den Wecker 2 Stunden nach vor stellte und erst um 3/4 8 aus den Federn kroch. Es reichte heute, den Zug um 9 zu nehmen, in der Früh war mir mein gestriger vorabendlicher Ehrgeiz etwas unverständlich. Die geplante Strecke war nicht allzu lange, bloß das Wetter könnte die Wanderung etwas unangenehm machen – Regen den ganzen Tag über und frische Temperaturen waren angekündigt. Die vorhergesagte Schneefallgrenze von 1700 m sollte ich aber doch nicht erreichen.

Wie gesagt, mit dem Zug um 9 gings nach St. Valentin, weiter mit der Schnellbahn bis Garsten und dann im Schienenersatzverkehr bis Reichraming. Damit war ich gleich im Ort, musste nicht erst noch vom Bahnhof die etwa 20 min zum Hauptplatz hatschen – trotzdem: Bahn fahren ist mir immer lieber.

Reichraming.

Es regnete nicht, als ich knapp nach 1/2 12 aus dem Bus stieg, das Drumherum deutete mir aber, dass ich wohl demnächst damit zu rechnen hatte. Mich erwartete anfangs ein Straßenhatscher, hinein von Reichraming über Dirnbach zur Abzweigung Anzenbach im Reichramingtal. Einen Wanderbus hinein ins Reichramingtal gibts zwar im Sommer, allerdings nur sonntags.

An der Straße entlang in Richtung Hintergebirge.

Ab da kann kann man es dann wieder als Fortsetzung des Kalkalpenwegs gelten lassen. An der Abzweigung verlässt man die nach Anzenbach führende Straße, es ging bisher alles flach und zügig dahin, eine Stunde war ich bisher unterwegs.

Weg von der Asphaltstraße. Hinein ins autofreie Reichramingtal.

Weiter gehts über eine Schotterstraße das Reichramingtal hinein, schon gesperrt für den motorisierten Verkehr. Noch war ich auf derselben Strecke unterwegs, über die ich vor schon mehr als einem Jahr von der Anlaufalm und der Klaushütte heruntergekommen war.

Knapp vor der Straßenteilung Brunnbach und Reichramingtal.

Bei einem kleinem Haus, der sog. Maieralm, heisst es rechts über die Brücke über die Reichraming abzuzweigen und Richtung Klaushütte und Ebenforstalm entlang des Großen Bachs weiterzugehen.

Die Mairalm. Bzw. Hintergebirge Nr. 2.

Geradeaus ginge es nach Brunnbach, einem kleinen Örtchen mit einem Infohaus der NP-Verwaltung – dort war ich allerdings schon auf dem Weg zwischen Gschwendtalm und Anlaufalm an meinem ersten Tag auf diesem Weg. Zu regnen hatte es in der Zwischenzeit auch begonnen, das sollte heute auch nicht mehr aufhören. Bei der Maieralm stellte ich mich kurz unter, ging aber bald wieder los. Recht bald nach dieser Schotterstraßenteilung kommt man an die nächste Teilung. Und hier verabschiedete ich mich dann vom zur Klaushütte gehenden Weg und bog gleich hier zur Ebenforstalm auf dem lokalen 472er-Weg ab.

Rechts direkt zur Ebenforstalm. Links in Richtung Klaushütte.

Der Kalkalpenweg führt eigentlich von der Klaushütte über den Brunnensteig hinein in den Kohlersgraben und hier über den Begsteigersteig hinauf bis knapp vor der Ebenforstalm. Das wäre mir allerdings für heute zu sehr Umweg gewesen. Also gings für mich in den Wilden Graben, weiterhin auf einer Forststraße und schön langsam mehr Steigung aufnehmend. In einer Kehre schließlich zweigte ich in den Wald hinein ab und auf einem schmalen Steig gings entlang und über einem kleinen Bach weiter bergauf.

Gemütliches Waldsteiglein.

Der kleine Bach wird nach einer Zeit gequert und weiter zieht es am linken Hang über dem Bach hinauf. Über eine alte Wehr findet das Überquerungsspielchen noch eine Fortsetzung, schließlich traf ich ich wieder auf die Forststraße, die in der Zwischenzeit einen großen Bogen gemacht hatte. Einmal wird eine Kehre nochmals kurz durch den Wald abgekürzt, dann stand ich um 3/4 3 an einer Forststraßenkreuzung, an dessen Rand Haus Hintergebirge Nr. 3 steht.

Pause bei Hintergebirge Nr. 3.

Unter einem breiten Vordach erholte ich mich mal kurz von dem vielen Regen, aber durchaus auch von dem in der letzten guten Stunde absolvierten Anstieg von guten 400 hm. Die sehr frischen Temperaturen ließen die Pause aber recht kurz geraten – bevor ich Handschuhe und Sturmhaube aus dem Rucksack holen musste, ging ich lieber wieder weiter.

„Aussicht“ ins Richtung Wilder Graben und Reichramingtal.

Am östlichen Hang des Miesecks geht die Forststraße zunächst  noch ansteigend weiter, flacht dann aber ab und es geht eben, zügig und sehr kurvig auf der Straße weiter.

Flach und zügig gehts dahin.

Es kommt dann von links der Begsteigersteig, also das Original des Kalkalpenwegs daher. Von hier ist es dann gar nicht mehr weit zur …

Der Weg aus dem Kohlersgraben kommt von links daher. Und damit auch die Markierungszeichen des Nationalpark Kalkalpenwegs.

Weiterhin eben, bloß auf den letzten paar 100 m vor dem Erreichen der Ebenforstalm leicht ansteigend. Schließlich erreichte ich das Gelände der Alm und hatte gleich leicht erhöht die Almhütte vor mir.

Die Ebenforstalm.

Die Alm ging ich auf der Zufahrtsstraße weit aus, keine Ahnung, ob es über die Almfläche einen kürzeren Weg gibt – allerdings hätte mich der Weg über die Wiese heute eh nicht besonders gereizt. Feucht wars schon in den Schuhen, pitschnass sollte es nicht werden.

Noch eine größere Runde über die Alm.

Um 10 nach 4 hatte ich die Almhütte erreicht und blieb heute der einzige Gast in dem neu hergerichteten und angenehmen Bettenlager. Eine angekündigte 16er-Gruppe ist wohl des Wetters wegen nicht erschienen.

Dann bin ich da.

Zu regnen hatte es seit unten nicht mehr aufgehört, auch abends setzte sich das fort. Wohl soll morgen „von Westen her allmähliche Wetterberuhigung einsetzen“, für meinen geplanten Abstecher auf den Großen Größtenberg sehe ich allerdings schwarz. In dem Fall wirds dann bloß die Wanderung bis Windischgarsten werden.

(Wegstrecke: 11 km und 6 km Anmarsch von Reichraming)

Tag 4 (03.09.2017): Ebenforstalm – Windischgarsten

Die ganze Nacht hatte es durchgeregnet, und morgens, als ich aufstand, regnete es noch immer. Und das sollte sich so schnell nicht ändern, schön eingeregnet hatte es sich. Die Alm aber, die taugte mir – sie war ja im letzten Jahr geschlossen und wurde von Grund auf renoviert – und das ist gelungen. Auch das Bettenlager ist 1A und entsprechend gut schlief ich auch. Um 1/2 7 läutete mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. 1/2 7 war so eine Kompromißzeit – 6 auf hatte ich vor, wenn ich auf den Größtenberg ginge, 7, wenn es bloß die Weiterwanderung nach Windischgarsten sein sollte. An ersteres konnte ich zwar gestern schon nicht mehr glauben, aber noch hatte ich das nicht aufgegeben und hielt mir damit ein bisschen Zeitreserve. Der Blick hinaus in der Früh verriet mir aber sofort, dass ich das halbe Stündchen ruhig draufschlagen hätte können. So schön das Lager war, so spartanisch wäre das Frühstück gewesen, wenn ich da nicht noch um ein wenig Vervollständigung ersucht hätte. Bißchen Zeit ließ ich mir mit dem Weggehen.

Start in den Regen und über die tiefe, morastige Alm.

Auf Wetterbesserung zu warten war aber zwecklos, so packte ich mich um 3/4 8 zusammen und ging in den Regen hinaus. Der anfängliche Weg über die Alm glich dann auch einem kleinräumigen Slalomgehen – zwischen tiefem Boden und hohem Wasser, in schöner Abwechslung.

Rückblick zur Ebenforstalm.

Da kam ich dann an der Abzweigung in Richtung Alpstein und Schaumbergalm vorbei, hatte aber nicht das Bedürfnis nachzusehen, ob 300 Höhenmeter weiter oben vielleicht die Sonne scheint. Also weiter über die Alm und rein in den Wald. Eine kurze Steigung brachte mich da zum Überstieg über den die Alm begrenzenden Zaun, dann gings bergab durch den und Richtung Bodinggraben. Rechte feuchte Angelegenheit, glitschig und fast durchgehend recht steil bergab, aber trotzdem ausreichend gut zu gehen. Nebenan schoß der Bodingbach hinunter ins Tal, wohl schon mit stark gestiegener Durchlaufmenge. Nach etwa 1 1/2 Stunden hatte ich den Abstieg erledigt, das letzte Stück ging es flach nach Bodinggraben und zum Gasthaus Jagahäusl hinaus.

Gasthaus Jagahäusl.

Pitschnass war ich schon, den mitgenommenen Regenschirm konnte ich im Wald und im steilen Gelände nicht wirklich gut zum Einsatz bringen, also war er bisher, noch, im Rucksack geblieben. Beim Jagahäusl kehrte ich ein, ein Getränk und nach 20 min war ich wieder auf dem Weg. Jetzt mit Regenschirm, denn die nachfolgende Strecke sollte ich mich zuerst einmal über Forststraße führen. Gleich nach dem Jagahäusl zweigt ein Weg Richtung Hohe Nock rechts weg, ich hielt mich aber links. Mein nächstes markantes Zwischenziel war der Biwakplatz am Steyrsteg. Stetig bergan führte mich da die Forststraße entlang der Krummen Steyrling. Nach einer Abzweigung, links war es wieder zur Schaumbergalm angeschrieben, wird die Straße schmaler und wird wohl auch nicht mehr für irgendwelchen Zubringer- oder Forstarbeitsverkehr verwendet. Beim Pribilkreuz schlägt der Weg dann einen Haken und wird zum schmalen Fußweg. Der führt dann schon flach oberhalb der Krummen Steyrling dahin, allerdings gut mit Wasser gefüllt – war ein ziemliches Herumhopsen auf der Suche nach der am wenigsten unter Wasser stehenden Spur.

Zuletzt gehts auf einem schmalen Steig in Richtung Steyrsteg.

Teilweise sieht man hier am Flußrand in den Hang betonierte Mauern – lt. Erzählung in der Wegbeschreibung Zeugen des Versuchs hier vor mehreren Jahrzehnten eine Schneise zwischen Rosenau und Bodinggraben  zu betonieren – ein Projekt, das glücklicherweise gescheitert ist.

Entlang der Krummen Steyrling. Und der Spuren des zum Glück mißglückten Straßenbaus.

Die Krumme Steyrling nebenan zeigte angesichts der Wassermengen auch, was sie konnte. Nachdem ich die engste Stelle des Durchbruchs passiert hatte, gings noch ein paar Schritte bergab, ich landete wieder auf einer Forststraße und bald nach der Brücke über die Krumme Steyrling war ich am Biwakplatz angelangt.

Beim Biwakplatz Steyrsteg.

10 vor 11 wars, und zum Glück gabs hier eine kleine Holzhütte – da befinden sich Plumpsklo und der Holzvorrat für die Feuerstelle am Biwakplatz. Also konnte ich mich kurz mal vor dem Regen verstecken und unterstellen. Lange war das Vergnügen nicht, nass war ich schon vom Abstieg im Bodinggraben und kalt wurde mir sehr bald. 15 Minuten aber waren drinnen. Knapp  hinter dem Biwakplatz geht eigentlich der Weg zum Großen Größtenberg los, mein Plan für Schönwetter, nichts für heute – rundherum war so gut wie gar nichts zu sehen und im Regen da hinaufstapfen – nö. Somit gings weiter Richtung Windischgarsten.

Rückblick zum Steyrsteg. Dahinter ginge es rechts in Richtung Weingartalm und weiter auf den Größtenberg.

Bergauf mußte ich da vorerst einmal. In ein paar Kehren gehts auf der Forststraße vom Steyrsteg weiter, dann entlang des Rumpelmayrbachs und zur Rumpelmayrreith.

Rumpelmayerreith.

Am Rand der Almfläche entlang, und vorbei an der schon ziemlich frustriert muhenden Almbevölkerung, gings dann zum Almschluß und über ein Gatter. Gleich danach war ich beim Haslersgatter, wo ich wieder die Breite des Vordachs der dort stehenden Holzhütte nutzte und pausierte. Den Weg in Richtung Wurbauerkogel ging ich über die vom Haslersgatter führende, bald asphaltierte, Straße an.

Wegweiser beim Haslersgatter.

Den an sich vorgeschlagenen Weg über den Kleinerberg ließ ich bleiben, die Feuchte der Umgebung machte die Lust darauf nicht gerade groß. An Muttling vorbei, durch Kleiner durch gelangte ich bis knapp vor die Bergstation des auf den Wurbauerkogel führenden Sessellifts.

Die hatten keinen Regenschirm. Bei Kleiner.

Da gehts dann in einen Forstweg und hinunter nach Windischgarsten. Knapp vor dem Ort quert man die Trasse der Bahn, der Mountainbikeabfahrt und der Sommerrodelbahn und steht bald danach in Windischgarsten. 3/4 2 wars, zum Bahnhof musste ich noch.

Und dann bin ich in Windischgarsten.

Nach der Ortsdurchquerung war ich 20 Minuten später dort. Der nächste Zug um 14.15 fuhr Richtung Süden, also gings über Selzthal und Leoben nach Hause.

Windischgarsten und der Wurbauerkogel.

(Wegstrecke: 18 km)

Der Regen hatte übrigens ziemlich genau aufgehört, als ich in Windischgarsten einwanderte. Für so etwas täte ich mir wünschen, dass es angemessenen Ausgleich gibt – nämlich bestes Wetter an den nächsten Wochenenden, damit ich noch am Zentralalpenweg ein Stück weiterkomme. Wird aber wohl nichts.

Und ins Hintergebirge werde ich bestimmt nochmals fahren. Schon im letzten Jahr war nicht gerade gerade gutes Wetter, als ich erstmals 2 Tage hier war, diesmal war rundherum gar nichts zu erkennen. Lohnt sich bestimmt, mal bei Schönwetter hier zu sein. Und der Größtenberg wartet ebenfalls noch auf mich.

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