Zentralalpenweg 02 Tage 32 bis 34: Glocknerhaus – Amertaler Scharte

Zentralalpenweg, da bin ich wieder! Die Zeit ist wieder da für die ganz hohen Berge und das heisst, auf meiner Tour am 02er, dem Grund und Anlaß meiner seit jetzt schon 3 Jahre dauernden ’neuen‘ Weitwanderkarriere, gings weiter. Im letzten Jahr war kniebedingt bloß einmal eine 3-tägige Tour drinnen, die ging bis zum Glocknerhaus. Von da weg erfolgte die Fortsetzung und die ist, wieder im smeki-Doppelpack, über 3 Tage geplant bis zum Matreier Tauernhaus. Ob wir dorthin von der St. Pöltnerhütte, gar vom Innergschlöss bei der Abzweigung zu den Prager Hütten oder ‚bloß‘ vom Grünsee absteigen würden, war nicht sicher. Wir erreichten dieses Ziel aber nicht, der Weg war anstrengender und schwieriger, als wir es erwartet hatten, die Zeitangaben in den Wegbeschreibungen recht optimistisch und auch das Wetter spielte nicht mit.

Tag 32 (20.07.2016): Glocknerhaus – Oberwalderhütte

Um 1/2 7 ging unser Zug, so war mein Bruder um 3/4 6 bei mir und wir fuhren nach Meidling. Eine lange Bahnfahrt später, mit einmal Umsteigen in Villach, waren wir um 3/4 1 in Lienz, von da gings mit dem Bus mit Umsteigen in Heiligenblut rauf über die Glocknerstraße zum Glocknerhaus.

Der Glockner vom Glocknerhaus.
Der Glockner vom Glocknerhaus.

Stempel einholen und los gings knapp vor 3/4 3. Das diesmalige Hoppala, ein großes, passierte schon zu Hause. Dort lag nämlich noch meine Jacke, mehr als Leiberln und ein Fleece hatte ich daher nicht mit. Heute war noch der Weg hinauf zur Oberwalderhütte geplant. Leicht hätten wir es uns anfangs gleich machen können, und mit dem Bus zur Franz Josefs-Höhe fahren. Aber Schluß war letztes Jahr beim Glocknerhaus, also gings hier auch wieder weiter. Noch schwerer als sonst waren die Rucksäcke, Seil samt Zubehör waren dabei, Pasterze und Sonnblickkees an den folgenden Tagen waren der Grund dafür. Vom Glocknerhaus begann der Weg hinunter zum Pasterzenhaus, vorbei an der Straße, wo Dutzende Autos auf die Auffahrt zur Franz Josefs-Höhe warteten, wo gerade alle Parkplätze voll waren. Lautsprecherstimmen verkündeten etwa 15 Minuten Wartezeit zur Weiterfahrt. Hinter dem Pasterzenhaus führte ein Steig immer steiler werdend in engen Serpentinen hinauf auf die Franz Josefshöhe.

Pasterzenhaus und der Hang hinauf zur FJ-Höhe.
Pasterzenhaus und der Hang hinauf zur FJ-Höhe.

Ein fürchterlicher Platz vom Ambiente her, gefühlte 100tsde Leute, durch die man sich erst durchkämpfen musste, um zum Parkhaus zu gelangen.

Links der Spielmann. Von dort kamen wir im letzten Jahr herunter.
Links der Spielmann. Von dort kamen wir im letzten Jahr herunter.

Hier beginnt nämlich der Gamsgrubenweg, der anfangs durch 7 Tunnels hindurch leicht bergan führt.

Zwischendurch ein erster Blick zur Oberwalderhütte.
Zwischendurch ein erster Blick zur Oberwalderhütte.

Je weiter wir hinauf kamen, desto weniger Leute waren unterwegs.

Gamsgrubenweg, Tunnel 6.
Gamsgrubenweg, Tunnel 6.

Nach den Tunnels führt der Weg weiter als breite Ausbaustrecke oberhalb der Hofmannshütte vorbei, die ja heuer im Herbst abgerissen werden wird.

Vorbei an der Hofmannshütte.
Vorbei an der Hofmannshütte.

Bald danach, am Ende der Ausbaustrecke und einem schön angelegten Rastplatz, machten wir nach 1 3/4 Stunden Gehzeit kurz Pause.

Der Glockner thront nebenan.
Der Glockner thront nebenan.

Anschließend, schon nur noch wenigen Leuten begegnend, gings über Gletscherschliff in den Wasserfallwinkel.

Im Wasserfallwinkel.
Im Wasserfallwinkel.

In Stufen gings weiter bergan, teilweise geröllig, hauptsächlich über glattgeschliffene Platten – die Schuhprofile hielten.

Plattengehen.
Plattengehen.

Ein flaches Schneefeld querten wir, nach einer Felsinsel ein steileres und schon waren wir am letzten steilen Aufschwung auf den Hohen Burgstall, auf dem die Oberwalderhütte steht.

Übers Schneefeld unter dem Hohen Burgstall.
Übers Schneefeld unter dem Hohen Burgstall.
Der letzte Aufschwung.
Der letzte Aufschwung.

Nach 3 Stunden hatten wir die Hütte erreicht. Auch auch diesmal Glück: ein 6er-Lager für uns 2.

Angekommen bei der Oberwalderhütte.
Angekommen bei der Oberwalderhütte.

(Wegstrecke: 8 km)

Tag 33 (21.07.2016): Oberwalderhütte – Berghotel Rudolfshütte

Recht früh war heute Aufbruch, denn eigentlich war die Karl Fürsthütte Tagesziel.

Ausblick auf den Weiterweg. Links der Johannisberg, rechts die Hohe Riffl, dazwischen die Obere Ödenwinkelscharte.
Ausblick auf den Weiterweg. Links der Johannisberg, rechts die Hohe Riffl, dazwischen die Obere Ödenwinkelscharte.

Die erreichten wir aber nicht, schon bei der Rudolfshütte war Schluss. Um 1/2 7 war Abmarsch, schon hergerichtet für die folgende Querung der oberen Pasterze am Weg zur Oberen Ödenwinkelscharte.

Die ersten Meter hinter uns gebracht. Links der Hütte der Fuscherkarkopf.
Die ersten Meter hinter uns gebracht. Links der Hütte der Fuscherkarkopf.

Kurz zieht der Weg am Rücken des Hohen Burgstall in den Pasterzenboden, wo wir uns ins Seil spannten und die Steigeisen anlegten. Dann stapften wir recht zügig hinauf in die Scharte. Erst wars leicht abschüssig und bergab, dann ganz angenehm bergauf.

Über die obere Pasterze.
Über die obere Pasterze.

Vor, hinter und neben uns zogen noch ein paar weitere Seilschaften in Richtung Scharte bzw. direkt zum Johannisberg. 2 1/4 Stunden, dann waren wir oben in der Oberen Ödenwinkelscharte, von Spalten war auf dem ganzen Weg dorthin derzeit nichts zu sehen.

In der Oberen Ödenwinkelscharte.
In der Oberen Ödenwinkelscharte.

Das Wetter war jetzt zu Tagesbeginn hervorragend, die Sonne zeigte sich, Wind ging keiner. Erst später, schon am Weg in den Ödenwinkel zog es zu, trocken blieb es aber, solange wir unterwegs waren.

Glockner und Glocknerwand.
Glockner und Glocknerwand.

Oben in der Scharte legten wir uns ganzes Graffel wieder ab und verstauten es in unseren Rucksäcken – damit war es mit der Leichtigkeit der Rücksäcke wieder vorbei.

Ausblick zur Rudolfshütte aus der Oberen Ödenwinkelscharte.
Ausblick zur Rudolfshütte aus der Oberen Ödenwinkelscharte.

Uns erwartete nun der schon in der Wegbeschreibung als mühsam beschriebene Wegteil hinunter in den Ödenwinkel, und stimmt, es ist ungemein mühsam bis hinunter auf den Ödenwinkelkees.

Abwärts in den Ödenwinkel.
Abwärts in den Ödenwinkel.

Die ersten Schritte von der Scharte legte ich noch mit den Steigeisen zurück, mein Bruder hangelte sich mit Hilfe des Pickels über noch vereiste Stellen hinunter. Dann begann ein steiler Weg über Schutt- und Geröllhalden, immer schön langsam und vorsichtig suchten wir uns den Weg da durch.

Abwärts über Schutt. Rechts der Weißsee und das schließliche Tagesziel, die Rudolfshütte.
Abwärts über Schutt. Rechts der Weißsee und das schließliche Tagesziel, die Rudolfshütte.

Knapp vor dem Gamskopf wurde es eine Blockhalde, über die wir uns weiter bergab mühten. Im Bereich des Gamskopfes wurde der Weg für ein kurzes Stück flacher, aber der letzte Abstieg in den Grund des Ödenwinkelkees hatte es dann noch mal in sich. Sandig, erdig, ohne erkennbare Steigspuren, bloß hin und wieder ein Steinmann leitete uns hier und auch nachfolgend am Gletscher den Weg.

Endlich den Ödenwinkelkees erreicht. Links der Medelzkopf.
Endlich den Ödenwinkelkees erreicht. Links der Medelzkopf.

Bald nach Erreichen des Gletschers machten wir um 1/2 12 Mittagsrast. Die Rudolfshütte war übrigens schon seit der Scharte zu sehen, der Weg dorthin sollte sich aber noch weiter ziehen, auch die Wegfindung war weiter mühsam. Zwar gings über den Gletscher gut dahin – leicht von Steinen durchsetzt und das Schuhprofil gut greifend, wars hier endlich mal mehr Gehen statt Rutschen, Umkippen und dergleichen. Am Rand des Gletschers und unter dem Medelzkopf angelangt, wurde es wieder Hüpferei zwischen oft losen Blöcken und eine Wegsuche von einem Steinmann hin zum nächsten, die wir aber auch gut hinter uns brachten. Und siehe da, auf einmal tauchte eine gelbe Markierungstafel auf.

Erste Markierung nach dem Ödenwinkelkees.
Erste Markierung nach dem Ödenwinkelkees.

Ab da war immer ein Weg erkennbar. 1 1/2 Stunden zur Rudolfshütte war hier noch angeschrieben, und das hat dann schon gut gepasst – die Hütte lang zwar schon relativ nahe, aber weiter wars ein anstrengendes Auf und Ab am Hang des Medelzkopfes entlang und mein Bruder hatte auch ein wenig Probleme mit seinem Leistenbruch, was ein paar Mal mehr Stehenbleiben nötig machte.

Rückblick in den Ödenwinkel.
Rückblick in den Ödenwinkel.

Um 3/4 2 erreichten wir endlich den Weißsee und die hier befindliche Talstation des Sessellifts auf den Medelzkopf.

Bald hammas.
Bald hammas.

Unterwegs hatten wir uns schon geeinigt, dass heute bei der Rudolfshütte Schluss sein wird, war ja tatsächlich sehr anstrengend heute. 10 Minuten später waren wir nach ein paar letzten Bergaufmetern damit am Tagesziel.

Auf den letzten Metern zur Rudolfshütte.
Auf den letzten Metern zur Rudolfshütte.

Und vermutlich gut, dass wir hier Schluss gemacht hatten – um 3/4 7 gabs ein heftiges Gewitter. Ob wir da bereits die Fürsthütte erreicht gehabt hätten – ich weiß nicht.

Gleich gewitterts.
Gleich gewitterts.

(Wegstrecke: 11 km)

Tag 34 (22.07.2016): Berghotel Rudolfshütte – Amertaler Scharte und Abstieg zum Felbertauerntunnel Nordportal

Der 3. Tag in aller Kürze: wieder nicht unser geplantes Tagesziel erreicht – blutige Finger von sehr alten Drahtseilversicherungen – fast meinen Fotoapparat über einen Abhang verloren – Gewitter, starker Regen und Abbruch knapp vor der Donabaumscharte.

Wegweiser bei der Rudolfshütte.
Wegweiser bei der Rudolfshütte.

Von vorne: Unsere Pläne hatten sich gegenüber dem Start schon verändert. Heute sollte noch die Grünseehütte dran sein, eine Selbstversorgerhütte mit AV-Schloss, den Schlüssel hatten wir mit, und morgen bloß noch der Abstieg zum Matreier Tauernhaus erfolgen.

Da kamen wir gestern her. Links oben liegt die Obere Ödenwinkelscharte.
Da kamen wir gestern her. Links oben liegt die Obere Ödenwinkelscharte.

Um (erst) 1/2 7 gabs Frühstück, von der Zeit her sollte der Weg bis zum Grünsee aber schon machbar sein, Wetterspompanadeln oder unvermutete oder gar nicht überwindbare Schwierigkeiten am Weg nicht berücksichtigt. Das Wetter war jedenfalls in der Früh tadellos, was sich nachmittags allerdings noch ändern sollte. Die Markierung führte uns erst zurück zum Weißsee und an diesem entlang bis ans Südufer.

Es geht an den Weißsee. Mittig der Tauernkogel.
Es geht an den Weißsee. Mittig der Tauernkogel.

Dort zweigte der Weg nach links ab und zog gleich ordentlich steil bergan. Ganz locker gings am Anfang bei mir nicht dahin, der Abstieg von der Oberen Ödenwinkelscharte hatte Spuren in meinen Oberschenkeln hinterlassen, ziemlich schwer waren die zu Beginn. Bald gings über einige Schneefelder drüber, viel mehr Schnee lag, als wir um diese Jahreszeit erwarten hätten, und die Sonne brannte uns auf diesem ostseitigen Hang schon ins Genick.

Unter dem Rotkogel.
Unter dem Rotkogel.

Unter dem Rotkogel leitete uns die auf den Felsinseln gut angebrachte Markierung auf ein steiles Schneefeld, wo uns erstmals heute der Pickel gute Dienste leistete. Über dieses Schneefeld kamen wir in eine Rinne, in der es unter weiterer Zuhilfenahme des Pickels zwischen linker Rinnenwand und dem Schnee, der die Rinne noch füllte, immer anspruchsvoller nach oben ging.

Jene Rinne.
Jene Rinne.

Und irgendwann gings gar nicht mehr weiter.

Hier kehrten wir zunächst um.
Hier kehrten wir zunächst um.

Etwas ratlos suchten wir nach dem Weiterweg und mangels eines solchen beschlossen wir schon, umzudrehen und über den Kalser Tauern zum Kalser Tauernhaus und zur Sudetendeutschen Hütte auszuweichen und somit die Alternativroute 02B aufzusuchen. Nach einigen Metern des Bergab leuchtete uns bei einem Blick zurück dann über dem rechten Rinnenrand eine Markierung entgegen.

Die übersehene Markierung. Und es geht wieder retour.
Die übersehene Markierung. Und es geht wieder retour.

Also vorigen Entschluß retourentschlossen, und wir kehrten wieder um. Die Querung der Rinne war dann auch noch eine kleine Herausforderung, und heraußen aus der Rinne gings in eine mit einer Eisenleiter und Stahlseilen versicherte Passage, bei deren Bewältigung uns einige Steinböcke beobachteten.

Letzte Markierung vor dem Sonnblickkees.
Letzte Markierung vor dem Sonnblickkees.

Bis hinauf zum Sonnblickkees gings anschließend relativ einfach weiter, mal auf Schneefeldern, mal auf Felsbändern dahin.

Aufwärts in Richtigung Granatscharte, noch vor dem Sonnblickkees. Im Hintergrund der Ödenwinkel.
Aufwärts in Richtigung Granatscharte, noch vor dem Sonnblickkees. Im Hintergrund der Ödenwinkel.

Vor dem Sonnblickkees erleichterten wir wieder unsere Rucksäcke und legten die Gletscherausrüstung an.

Über das Sonnblickkees. Im Hintergrund der Stubacher Sonnblick.
Über das Sonnblickkees. Im Hintergrund der Stubacher Sonnblick.

Der erste Teil des Gletschers war ein bißchen abschüssig, der Rest dann nicht sehr steil bis hinauf in die Granatscharte zwischen Granatspitze und Stubacher Sonnblick.

In der Granatscharte mit Venedigergruppe.
In der Granatscharte mit Venedigergruppe.
Granatspitze von der Granatscharte aus.
Granatspitze von der Granatscharte aus.

Um 3/4 11 waren wir in der Scharte angekommen, die Gletscherausrüstung blieb aber an, denn wir gingen den Weg über den Prägratkees hinunter zur Karl Fürsthütte. Der an sich markierte Weg über den Rabenstein sah gar brüchig und wenig einladend aus.

Der wenig einladende Blick in den Weg zum Rabenstein.
Der wenig einladende Blick in den Weg zum Rabenstein.

Unter uns gabs auf den Felsinseln immer wieder große Markierungen des Venedigerhöhenwegs, so war der Abstieg zwar teilweise steil, aber wenig schwierig. Auch auf dieser gesamten Gletscherquerung war übrigens keine Spalte zu erkennen. Am Ende des Prägratkeeses legten wir unser Gletscherzeug wieder ab, und nutzten die Pause auch gleich zur Kalorienzufuhr.

Über Schneefelder unterhalb des Prägratkees.
Über Schneefelder unterhalb des Prägratkees.

Weiter gings abwechselnd zwischen Schneefelder, Blockfeldern und plattigen Felsinseln bergab und schließlich kam ein flacherer Teil, der uns zur Karl Fürsthütte brachte, die bereits seit der Granatscharte zu sehen war.

Schon im flachen Teil des Weges zur Karl Fürsthütte.
Schon im flachen Teil des Weges zur Karl Fürsthütte.

Bei der Hütte angekommen, war es knapp nach 1/4 1 und wir nahmen uns die Zeit für eine Besichtigung dieser netten Unterstandshütte – voll ausgestattet, 9 Lager, Gaskocher, Geschirr, Geschirrtücher, usw., und ein großartiger Ausblick in das Landeggtal und die umliegenden Gipfel. Bloß den Stempel hatte anscheinend wer für zu Hause gebraucht, da war zwar ein Stempelkissen, aber kein Stempel mehr da.

Karl Fürsthütte mit Großem Landeggkogel.
Karl Fürsthütte mit Großem Landeggkogel.
Im Inneren der Hütte.
Im Inneren der Hütte.
Ausblick ins Landeggtal mit Muntanitz und Nussing.
Ausblick ins Landeggtal mit Muntanitz und Nussing.

Nach einer halben Stunde des Pausierens sattelten wir wieder unsere Pferde, bzw. uns selber. Es ging über ein Schneefeld unter der Weiten Scharte hinüber unter den Großen Landeggkogel. Eine deutlich sichtbare, große Markierung schon am Hang hinauf steuerten wir anschließend an, und der Hang stellte sich immer mehr auf.

Steil wirds unterhalb des Großen Landeggkogels.
Steil wirds unterhalb des Großen Landeggkogels.

Schon steil gings noch über Schnee hin zu einem schmalen Steig, vorbei an jener Markierung und schließlich über Blockwerk hinauf auf den Grat zwischen dem Großen Landeggkogel und der Amertaler Höhe.

Unterm Großen Landeggkogel. Auch die Fürsthütte ist erkennbar.
Unterm Großen Landeggkogel. Auch die Fürsthütte ist erkennbar.

Diese Gratwanderung wurde auch bald sehr anspruchsvoll.

Bald am Grat angekommen.
Bald am Grat angekommen.

(Notwendige) Seilversicherungen und Trittstifte, teilweise recht ausgesetzt gings dahin.

Die Gratwanderung beginnt.
Die Gratwanderung beginnt.

Obendrein stachen aus dem alten Seil schon die Litzen heraus, was mir prompt 3 blutende Finger einbrachte.

Notwendig versichert am Grat entlang.
Notwendig versichert am Grat entlang.

Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, streifte ich mir beim Durchzwängen durch Felsen den Fotoapparat vom Rucksack, der daraufhin den Abwärtsgang einlegte, aber, ein Riesenglück, nur wenige Meter unter uns und erreichbar auf einem Felsvorsprung liegen blieb. Ein wenig mehr Schwung und ich hätte ihn nie wieder gesehen.

Herumturnen am Grat vom Großen Landeggkogel.
Herumturnen am Grat vom Großen Landeggkogel.

Mein Bruder verpflasterte meine Finger und holte auch den Fotoapparat – ihn kann ich als Bergfreund wirklich nur empfehlen! In der Zwischenzeit schlug auch das Wetter um. Noch beim Aufstieg zum Grat hatte uns die Sonne heftig beschienen, nach dem schwierigsten Teil des Grates hörten wir dann schon, aber noch fernes, Donnergrollen – und ich, man erinnere sich an die Hoppalaerzählung vom ersten Tag, hatte keine Jacke mit.

In Richtung Amertaler Scharte mit Amertaler Höhe. Rechts am Grat von der Amertaler Höhe die Donabaumscharte.
In Richtung Amertaler Scharte mit Amertaler Höhe. Rechts am Grat von der Amertaler Höhe die Donabaumscharte.

Der Grat zog jetzt etwas einfacher dahin, eine Erhebung ließ die Markierung aus, die wurde rechts umgangen und wir gelangten zur Amertaler Scharte.

In der Amertaler Scharte.
In der Amertaler Scharte.

Von der Amertaler Scharte zieht der Weg unterhalb der Amertaler Höhe zur Donabaumscharte auf einem recht abschüssigen Hang. Nach einer Seilversicherung dann zum immer lauter werdenden Donnern die ersten Regentropfen und bald danach kräftiges Schütten. Also versteckten wir uns, es war in der Zwischenzeit 1/4 4 geworden, so gut es ging, unter einem Felsvorsprung.

Gewitter unter der Donabaumscharte.
Gewitter unter der Donabaumscharte.

Eine 3/4 Stunde hockten wir da, bis der Regen weniger wurde und schließlich aufhörte. Jetzt die Frage, weiter oder runter. Wir entschieden uns für runter ins Amertal. Der Weiterweg in die Donabaumscharte sah von uns aus zwar nicht mehr weit, aber recht anspruchsvoll aus, Eisenklampfen und Stahlseil auf steilem Fels.

Der letzte Aufschwung zur Donabaumscharte. Den gingen wir nicht mehr.
Der letzte Aufschwung zur Donabaumscharte. Den gingen wir nicht mehr.

Angesichts der Nässe wollten wir das Risiko nicht eingehen, auch wussten wir gar nicht, was uns hinter der Donabaumscharte erwarten würde, daher begann um 1/4 5 unser Weg ab nach unten.

Ausblick ins Amertal und zur Felbertauernstraße.
Ausblick ins Amertal und zur Felbertauernstraße.

Eine halbe Stunde Regenpause hatten wir jetzt vor uns, die führte uns zurück zur Amertaler Scharte und auf den Weg zunächst zu einem nicht benannten kleinen See und weiter hinunter zum Amertaler See. Zwischen Scharte und dem kleinen See fings dann auch wieder zu schütten an, wenigstens ohne Gewitter, und so forderte der Weg über grobes Blockwerk weiter die volle Aufmerksamkeit. Erst ab dem kleinen See gings angenehmer und auf erkennbaren Steigen dahin. Einmal zwischendurch suchten wir uns nochmals einen Felsvorsprung, war aber angesichts dessen, dass wir, besonders ich, eh schon komplett nass waren, nicht wirklich sinnvoll. Den kleinen See erreicht, gings über eine Stufe hinunter zum Amertaler See und über die nächste Stufe in weiten Kehren steil hinunter ins Finsterkar. Etwa beim Amertaler See hörte der Regen auch wieder auf, im Finsterkar entließ ich meinen Bruder, der bergab immer gschwinder unterwegs ist als ich.

Bruder gibt Gas.
Bruder gibt Gas.

Denn, wir hatten keine Ahnung wie wir vom Nordportal des Felbertauerntunnels hinaus nach Mittersill kommen sollten und so konnte mein Bruder vielleicht schon früher etwas organisieren. Vom Finsterkar gehts noch über eine steile Stufe durch erst kürzlich frisch ausgeschnittenes Buschwerk hinunter zum letzten flachen Stück hinaus zur Felbertauernstraße.

Beim Nordportal und Blick retour. Der Gipfel ist der Teufelspitz.
Beim Nordportal und Blick retour. Der Gipfel ist der Teufelspitz.

Eine 1/4 Stunde nach meinem Bruder war ich da um knapp vor 3/4 8 angelangt. Bus fuhr hier keiner, den bisherigen erfolglosen Autostoppversuch meines Bruders setzte ich dann noch für eine weitere 1/4 Stunde fort, bevor wir uns bei gerade am Parkplatz wartenden Leuten eine Taxinummer organisierten und uns ein Taxi orderten. Mit dem waren wir dann um 1/4 9 in Mittersill, wo wir noch ein schönes, auch preislich halbwegs passables Quartier fanden, und ganz wichtig, ich hatte seit etwa 11 Uhr zu Mittag nichts mehr gegessen, kräftig einschnitten. Einzig mühsam, es war der Tag des „Moonlight-Shopping“ in Mittersill, was hieß, dass bis etwa Mitternacht auf den Straßen DJs wüteten. An Schlaf war daher vorher nicht zu denken.

(Wegstrecke: 8 km bis Amertaler Scharte)

Am folgenden Samstag gings dann mit der Pinzgauer Bahn und über Salzburg wieder heimwärts nach Wien. Es waren wirklich anstrengende, anspruchsvolle und intensive Tage. Besonders der 3. Tag war auch von den technischen Schwierigkeiten nicht zu verachten, ein einfaches Wandern ist die Begehung des Weges vor und nach der Amertaler Scharte keinesfalls. Hier besteht aber die Möglichkeit, von der Karl Fürsthütte nach Süden auszuweichen, den Spuren des Arnowegs zu folgen und über die Wilde Manderscharte zum Grünsee zu gelangen. Spuren haben diese Tage bei mir auch insoferne hinterlassen, als mein Knie ein wenig beleidigt ist und ich noch nicht weiß, ob ich die schon für Mittwoch bis Freitag geplante nächste Tour, die Beendigung des Südalpenwegs sollte es werden, überhaupt angehen kann. Mal sehen, ansonsten findet sich schon im August noch Zeit dafür.

Was den Zentralalpenweg angeht, so ist auch auf dem nächsten Teilstück, das ich dann vermutlich von der Grünseehütte angehen werde, Begleitung notwendig – in die Großvenedigergegend gehts. Die wird mir hoffentlich Mitte August mit meinem Bruder wieder zur Verfügung stehen. Vielen Dank für diesmal und super wars.

4 Kommentare zu „Zentralalpenweg 02 Tage 32 bis 34: Glocknerhaus – Amertaler Scharte“

  1. Ein Glück, dass Du den Fotoapparat gerettet hast! Die Fotos sind so toll, dass ich mir gerade überlege, nächstes Jahr endlich mal in den Hohen Tauern den Urlaub zu verbringen.
    Viele Grüße
    Carolin

    1. Wenn man die hohen Berge mag, sollte man die Hohen Tauern eher nicht auslassen 😉

      Um den Fotoapparat und die Fotos wäre es echt schade gewesen. Der Erleichterungsseufzer war ein großer, als er da nur wenige Meter unter uns liegen geblieben ist.
      LG

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